Überbehütete Kindheit – Wenn Eltern klammern

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Mutter, die ihr Kind festhält
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Die überbehütete Kindheit ist eine typische Erscheinung des 21. Jahrhunderts. Eltern umkreisen den Nachwuchs mit einer Mischung aus Fürsorge und Überforderung. Das kann fatale Folgen haben.

Das Phänomen der Helikoptereltern

Fragt man Erzieher und Lehrer, was das Schlimmste an ihrem Beruf sei, tauchen die Eltern der Schützlinge mit am häufigsten in den Antworten auf. Eltern, die ihre Kinder überall hin begleiten, auf dem Spielplatz in der Sandkiste sitzen, den Nachwuchs via Handy orten und die vergessene Schirmmütze in die Schule bringen, kennt mittlerweile jeder.

Für diesen Erziehungsstil hat sich mittlerweile der Begriff Helikoptereltern eingebürgert. Dieser Typ Eltern umkreist den Nachwuchs wie ein Hubschrauber, organisiert einen straffen Wochenplan von Harfenunterricht bis Chinesischkurs und leistet Taxidienste. Wenn andere Kinder zu Hause eingeladen sind, stehen nicht etwas Spiele im Kinderzimmer oder Toben im Garten auf dem Programm. Helikoptereltern setzen alles daran, den Besuch der kleinen Gäste zum Event werden zu lassen, da müssen Bastelprojekte her oder es wird sogar ein Zauberer engagiert. Gibt es Streit, stehen natürlich auch hier die Eltern auf der Matte und lösen den Konflikt.

Klammern ist oftmals schlimmer als Desinteresse

Wenn Eltern klammern, tun sie ihren Kindern keinen Gefallen.

Sie rauben ihnen die Möglichkeit, für ihre Entwicklung wertvolle Erfahrungen zu machen und aus eigenen Fehlern zu lernen. Statt draußen zu spielen und automatisch neue Eindrücke zu gewinnen, findet die Kindheit nur an ausgewählten Flecken statt. Soziologen sprechen dann von „Verinselung“, zudem kann sich die Fähigkeit, sich selbst zu beschäftigen, auf diese Weise nicht entwickeln.

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Wer immer kontrolliert wird, bekommt damit signalisiert, dass er zu eigenen Leistungen nicht fähig ist.

Auch die ständige Angst, dem Kind könne etwas zustoßen, überträgt sich. Mit oftmals fatalen Folgen. Die therapeutischen Praxen sind voll mit verhaltensauffälligen Kindern, die das Opfer einer überbehüteten Kindheit sind. Bettnässen, Essstörungen, Schulprobleme, aber auch ADHS sind die Folgen. Wenn Eltern klammern und den Nachwuchs vor allem beschützen wollen, aber gleichzeitig unglaublichen Leistungsdruck ausüben, sind spätere Verhaltensauffälligkeiten vorprogrammiert.

Video: Überbehütete Kindheit – Welt der Wunder

Warum werden Eltern zu Helikoptern?

Experten machen verschiedene Faktoren für das Phänomen überbehütete Kindheit verantwortlich. Zum einen werden in Deutschland immer weniger Kinder geboren und um diese für das Bestehen in einer Leistungsgesellschaft zu rüsten, sind Eltern bereit, sich komplett zurückzunehmen und alles zu investieren. Viele sind auch lang erwartete Wunschkinder entsprechend später Eltern, die alles richtig machen wollen und den Nachwuchs dabei mit dieser gefährlichen Mischung aus Verwöhnen und Überfordern erziehen.

Erinnerungen an die eigene Kindheit helfen

Wenn Eltern zur Überprotektion neigen, ist es schwer, die Balance wiederzufinden. Um dem Kind eine überbehütete Kindheit zu ersparen, müssen Eltern sich daher den eigenen Ängsten und Ansprüchen stellen. Bei aller Fürsorge und Schutz ist der Aspekt des Loslassens in kleinen Schritten in der Erziehung wichtig. Oft hilft es, sich die eigene Kindheit mit Spielen auf der Straße und anderen Abenteuern im Freien ins Gedächtnis zu rufen.

Titelbild: ©istock.com – tatyana_tomsickova

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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