Kinderortung-Apps für Eltern: Hilfreich oder unnötig?

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Früher war es ganz normal, dass Eltern manchmal nicht so genau wussten, wo ihre Kinder gerade sind. Die Kinder kamen alleine von der Schule nach Hause, der Elternfahrdienst war unbekannt, und nach dem Essen beziehungsweise den Hausaufgaben wurden sie zum Spielen nach draußen geschickt. Aufsicht? Unnötig. Was sollte schon passieren? Zum Fußballtraining, zur Jugendfeuerwehr und zum Gitarrenunterricht fuhren die Kinder alleine mit dem Rad, Eltern vertrauten ihnen einfach. Und das ging meistens auch gut.

Zwischen den Extremen Totalüberwachung und Verwahrlosung

Heute ist es nicht mehr so einfach. Aufsichtspflicht wird ernst genommen, im öffentlichen Raum begegnet man überall Kameras. Es ist durchaus üblich, dass Kinder auch noch auf der weiterführenden Schule von Eltern bis vor das Schultor gebracht und nach Unterrichtsende genau dort wieder abgeholt werden.

Das Mama-Taxi fährt zum Training, in die Musikschule, zu Freunden. Und wenn Mama mal nicht kann, muss es eine Fahrgemeinschaft mit Freunden sein. Warum eigentlich? In den Medien sind die Helikopter-Eltern zwar präsent, aber bei weitem nicht so sehr wie verwahrloste Kinder.

Das ist das Klischee, vor dem sich die Mittelklasse am meisten fürchten: zu denen „da unten“ zu zählen, deren Kinder unbeaufsichtigt wild toben und Schaden anrichten oder zu Schaden kommen. Denn eigentlich geht es bei der ganzen Aufsicht gar nicht so sehr darum, immer viel mit dem Kind gemeinsam zu unternehmen.

Es geht doch vielmehr darum, „die Kontrolle“ zu bewahren. Helfen Apps zur Kinderortung dabei?

Vertrauen ist das eine, Überwachung das andere

Fragt man Eltern danach, ob sie ihren Kindern vertrauen, werden die meisten mit einem „Ja“ antworten. Fragt man dann weiter, ob sie immer so genau wissen, wo die Grenzen ihres Kindes in Sachen Anstand und Moral sind, kommt die Antwort meist schon etwas zögerlicher. Das Problem scheint also nicht das Vertrauen an sich zu sein, sondern die Kenntnis.

Wo sind die Werte, die Eltern ihren Kindern vermitteln? Müssen Kinder, deren moralische Entwicklung klar ist und im gesellschaftlich akzeptierten Rahmen verläuft, eigentlich überwacht werden? Oder ist es eher so, dass man zwar dem Handeln des eigenen Kindes traut, den Mitmenschen aber nicht?

Wenn Eltern sich für die Kinderortung interessieren, sollten sie sich zunächst fragen, warum sie eine App dafür bemühen wollen. Wer Übergriffe und Gefahren in der Stadt fürchtet und seinem Kind trotzdem ein Grundmaß an Freiheit und Selbstbestimmtheit zutraut, der wird die App zur Kinderortung vermutlich als nettes Hilfsmittel empfinden und sie zwar haben, aber nur selten nutzen.

Überwachung rund um die Uhr ist eher schädlich

Die App zur Kinderortung kann aber auch anders eingesetzt werden. Wer sein Kind nach der Schule bei Freunden wähnt und es dann vor der Spielhalle trifft, wird beispielsweise eher gerne wissen, wo sich der Sprössling sonst noch so herumtreibt. Und in diesem Fall ist das auch nachvollziehbar.

Mädchen Ratgeber

Die Apps verändern das Kind nicht

Kinderortung kann auch dazu dienen, ein außer Kontrolle geratenes Kind wenigstens vom eigenen Empfinden her wieder unter Kontrolle zu bringen. Denn das Verhalten des Kindes wird sich nur wegen der App der Eltern wohl kaum ändern, der Lerneffekt dürfte sich in Grenzen halten.

Letzten Endes nimmt die App den Kindern ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung (was negativ zu bewerten ist) und gibt Eltern ein Gefühl von Sicherheit (was meist trügerisch ist). Apps zur Kinderortung gibt es übrigens viele:

  • Kinder-Finder von Saalfeld
  • Familonet
  • Custodio
  • iNanny

… und andere. Die Apps funktionieren grundsätzlich über GPS und orten nicht das Kind, sondern das Smartphone des Kindes.

Video: Kinder orten

Erlaubnis einholen und wohldosiert nutzen

Niemand steht gerne unter totaler Überwachung, und das ist auch verständlich. Wenn Eltern tatsächlich eine App zur GPS-Ortung einsetzen, sollten sie ihre Kinder darüber in Kenntnis setzen. Ideal ist es, wenn Kinder auch Mitspracherecht haben, über die Gründe für die Ortung informiert werden und ihre Erlaubnis erteilen.

Und dann sollten Eltern natürlich so fair sein, sich an die Absprachen zu halten: Wenn Kinder mit Freunden zusammen Geburtstag feiern, darf die App ausgeschaltet bleiben.

Titelbild: ©istock.com – cybrain

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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