Patchworkfamilie – Geht das gut?

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Glückliche Patchwork Familie
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Es scheint, das traditionelle Familienbild von Großeltern, Eltern und Kindern unter einem Dach hat ausgedient. Die Patchworkfamilie wird in den Medien propragiert. Patchwork, das heißt: Kinder, die unterschiedliche Väter oder Mütter haben, leben mit einem eigenen Elternteil und einem Elternteil der „Geschwister“ (die nicht zwangsläufig biologisch mit ihnen verwandt sind) in einer Art zusammengeflickter Familie zusammen. Es gibt Bedenken, ob das gut geht – aber auch viele Gründe dafür, es zumindest zu versuchen.

Patchwork ist ein Flickenwerk

Um die Patchworkfamilie zu verstehen, muss man erst einmal verstehen, was der englische Begriff Patchwork eigentlich meint. Es geht, wortwörtlich, um ein Flickenwerk. Der Begriff kommt aus dem Bereich der Handarbeit und bezeichnet eine Technik, aus alten Flicken und Stoffresten, die zum Wegwerfen zu schade sind, einen Teppich, eine Decke oder ein Kissen zu gestalten. Die Technik ist sehr aufwendig, das Resultat ist in der Regel sehr bunt – und wunderschön.

Solche Arbeiten sind in der Regel recht haltbar, manche Decken überdauern mehrere Generationen. Überträgt man diese Idee nun auf die Familie, wird klar, dass eine Patchworkfamilie keine gescheiterte Familie ist, sondern ein Neuanfang, eine neue Chance für Beziehungen zwischen einzelnen Elternteilen und ihren Kindern, zwischen neuen Partnern und zwischen Kindern untereinander. Beziehungen, die nicht auseinander gehen sollen, weil sie dafür viel zu wertvoll sind, werden mit neuen Beziehungen zusammen geflickt, um eine haltbare, neue Einheit zu bilden.

Video: Leben als Patchworkfamilie

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Kinder brauchen Beziehungen und Halt

Für Kinder ist erst einmal wichtig, dass sie in intakten Familien aufwachsen. Sie müssen erleben, das Erwachsene liebevolle, feste Beziehungen zueinander pflegen, dass man sich nach Streit versöhnen kann, dass man in problematischen Situationen zusammenhält. Die biologischen Beziehungen der Beteiligten sind zweitrangig, die interessieren Kinder in der Regel eher nicht.

Von diesem Standpunkt aus ist eine Patchworkfamilie also tatsächlich sinnvoll, denn wenn die erwachsenen Partner liebevoll miteinander umgehen und einander Halt geben, sind sie auch in der Lage, dies an die Kinder zu vermitteln. Kinder haben damit ein stabiles, liebevolles und haltgebendes Elternhaus. Halbgeschwister und Patchworkgeschwister können da leicht einbezogen werden, immerhin sind Kinder von Natur aus soziale Wesen und kommen in einer „Rudelsituation“ ganz gut klar – jedes Kind wird eher in der Gruppe als alleine spielen, lernt besser in der Gruppe als alleine und sucht sich seinen Platz in Sachen Selbstfindung in der Reibung mit anderen Kindern.

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Auch im Streit noch respektvoll miteinander umgehen

Patchwork muss bei Familien trotz allem Optimismus nicht immer gut funktionieren. Immerhin kommen alle Beteiligten bei einer Patchworkfamilie aus einer anderen Familie, haben Streit, Trennung und Beziehungsschmerz erlebt, manchmal sogar schlimmeres. Es ist ganz klar, dass das keine einfache Startposition ist.

Streit und Missverständnisse in der neuen Familie sind also vorprogrammiert – das ist ganz normal und weder verwerflich noch vermeidbar. Solange sich die erwachsenen Beteiligten immer daran erinnern, respektvoll und in Liebe miteinander umzugehen, ist das auch kein Problem. Eine Familie, die ab und an streitet und ihre Meinungsverschiedenheiten austrägt, kann trotzdem eine gesunde, intakte und stabile Familie sein. Der faire Umgang miteinander und der gegenseitige Respekt müssen aber gegeben sein.

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Beziehungen finden überall statt: Zwischen Eltern und Kindern, Großeltern, Freunden und Nachbarn

Eine Patchworkfamilie kann durchaus gut funktionieren, wenn sich alle Beteiligten fair und respektvoll zueinander verhalten. Der Umgang mit vorherigen Familienmitgliedern sollte unbedingt erlaubt sein, denn nur weil ein Vater mit der Mutter die Beziehung beendet hat, ist sie für das Kind noch lange nicht beendet. Natürlich sind die Befindlichkeiten der Erwachsenen auch in einer Patchworkfamilie wichtig – sie sollten aber nicht über dem Wohlergehen der Kinder stehen. Der Flickenteppich in Sachen Gefühlswelt funktioniert nur, wenn alle offen und ehrlich miteinander umgehen, die Beziehungen von gegenseitigem Respekt geprägt sind.

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Bildquelle: © oliveromg – shutterstock.com

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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