Präsentismus: Wenn sich Arbeitnehmer krank zur Arbeit quälen

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Krank bei Arbeit
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Präsentismus ist ein Begriff aus der Arbeitsmedizin, der das Verhalten von Arbeitnehmern beschreibt, trotz Krankheit in die Arbeit zu gehen. Der Grund dafür ist oft die Angst die Arbeitsstelle bei zu häufiger Krankheit zu verlieren oder ein übersteigertes Pflichtbewusstsein. Mit diesem Verhalten schadet der Arbeitnehmer nicht nur sich selbst, sondern auch die Firma, da die Fehlerquote bei Arbeitnehmern signifikant höher ist.

Präsentismus wirkt sich negativ auf den Mitarbeiter und die Firma aus

Auf den ersten Blick ist der Arbeitgeber vielleicht geneigt, das Verhalten dieses Mitarbeiters positiv zu bewerten. Diese Meinung ändert sich meist bald, wenn er während der Arbeit Fehler macht, einen schlechten Eindruck bei Kunden hinterlässt oder gar andere Mitarbeiter ansteckt. Viele Arbeitsmediziner sind der Meinung, dass der wirtschaftliche Schaden mindestens so hoch ist, als wenn der Mitarbeiter ständig krank ist.

Vor allem, wenn es sich um eine Erkältungskrankheit handelt, reagieren viele Kunden sehr negativ, da sie Angst haben, ebenfalls zu erkranken. Beim Bedienen von Maschinen kann es häufiger zu Fehler kommen. Dabei sind Fehler in der Produktion noch das geringere Übel, schlimmer ist es, wenn der kranke Mitarbeiter einen Unfall verursacht. Selbst wenn er der Arbeit fehlerfrei nachkommen kann, besteht doch die Gefahr, dass er seinen eigenen Heilungsprozess verzögert und später dafür längere Zeit ausfällt.

Video: Krank zur Arbeit? Dr. Johannes zum Präsentismus

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Vorteile von Präsentismus

Schmerzen bei ArbeitEs gibt auch Fälle, in denen Präsentismus von Arbeitsmedizinern positiv bewertet wird. Häufig sind das Krankheiten, die aus dem psychischen oder psychosomatischen Bereich kommen. Mitarbeiter, die zum Beispiel unter Angst- und Panikstörungen leiden, sollten nicht zu Hause bleiben, sondern die Herausforderung eines neuen Tages mit seinen Unwägbarkeiten annehmen. Wenn dieser Mitarbeiter einen ausgeprägten Präsentismus zeigt, dann ist das für seine Gesundheit nur förderlich.

Es gibt auch körperliche Krankheiten, auf die sich eine körperliche Belastung positiv auswirkt. Wer unter Rückenschmerzen leidet, der kann seinen Rücken durchaus belasten, er sollte es sogar tun. Hier zu Hause zu bleiben, kann die Erkrankung hinauszögern. In welchem Umfang und unter welchen Bedingungen der Patient arbeiten kann oder soll, muss ein Arzt entscheiden.

Ein gutes Mitarbeiter-Arbeitnehmer-Verhältnis ist wichtig

Ausgeprägter Präsentismus hängt mit der Angst der Mitarbeiter zusammen, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Diese Angst kann nur der Betriebsinhaber oder der direkte Vorgesetzte mindern. Er sollte dieses Thema offen ansprechen und dem Mitarbeiter klar machen, dass er keine Angst vor einer Kündigung haben muss, wenn er krank ist und zu Hause bleibt. Viele Arbeitgeber haben Angst, dass sie dadurch das Gegenteil, den Absentismus fördern, das ist aber meist nicht der Fall.

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Für einen Unternehmer ist es wichtig, dass die Mitarbeiter gesund und motiviert in die Arbeit kommen. Bis zu einem Punkt kann jeder Betriebsleiter hier unterstützend eingreifen, indem er gesundheitsfördernde Maßnahmen anbietet. Möglichkeiten sind hier ein Gymnastikraum, Zeiten für Meditation oder ein gesundes Essen in der Kantine. So gehen die Mitarbeiter gesund in die Arbeit und bringen volle Leistung.

Kranke Mitarbeiter sollten zu Hause bleiben

Auch wenn Unternehmer möglichst alle Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz sehen wollen, sollten sie nicht die Einstellung fördern, die Arbeitsmediziner als Präsentismus bezeichnen. Kranke Mitarbeiter bringen nicht die gewünschte Leistung und machen Fehler. Im Endeffekt kostet das dem Betrieb mehr Geld, als ein Tag Krankheit. Vor allem die Angst vor Arbeitslosigkeit fördert diese Einstellung. Jeder Betriebsleiter sollte klar kommunizieren, dass ein Mitarbeiter, der wirklich krank ist, auch zu Hause bleiben soll. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen es besser ist, in die Arbeit zu gehen. Vor allem bei psychischen Krankheiten ist es kontraproduktiv, wenn der Mitarbeiter das heimische Bett nicht verlässt.

Titelbild: © istock.com – MihailUlianikov
Textbild: © istock.com – Digiphoto

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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