Multinationale Familien: Ihre Schwierigkeiten und Besonderheiten

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Zwei Menschen lernen sich kennen, kommen sich näher, verlieben sich ineinander. Sie ziehen zusammen, lernen die jeweiligen Schwiegereltern kennen, heiraten. Alles gut, könnte man meinen – aber ist das wirklich so? Wenn zwei Menschen zusammenkommen, die nicht in exakt dem gleichen sozialen Umfeld aufgewachsen sind, treffen eigentlich immer zwei Kulturen aufeinander. Wieviel schwieriger muss es da in multinationalen Familien zugehen …

Visum, Aufenthaltstatus, Heirat – alles Bürokratie

Bevor es überhaupt zu einer multinationalen Familie in Deutschland kommen kann, muss es erst einmal zur Eheschließung kommen. Innerhalb der EU ist es noch recht leicht, alle zur Eheschließung benötigten Papiere zu besorgen – vorausgesetzt, beide Partner sowie deren Eltern sind EU-Bürger. Ist ein Partner aus einem Nicht-EU-Land, kann das schon schwieriger werden. Dann wird auf jeden Fall ein Visum für die Einreise benötigt, und abhängig von Land und Ausbildung kann der Nachweis von Sprachkenntnissen Pflicht sein.

Im Ausland zu heiraten ist da nicht unbedingt eine Lösung: Meist wollen Paare ihren Familiensitz nach Deutschland legen. Weitere Unannehmlichkeiten bereitet der Aufenthaltsstatus. Die Fragen der Mitarbeiter der Ausländerbehörde können sehr unangenehm und persönlich sein, denn Scheinehen sollen ausgeschlossen werden. Verbunden mit Schulbildung, Sprachkenntnissen und Aufenthaltsstatus ist die berufliche Situation. Wer nicht arbeiten darf, entwickelt schnell schlechte Laune.

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Fischsuppe zum Frühstück und kein Mitspracherecht im Haushalt

Familie MultikultiSchon innerhalb rein deutscher Familien scheiden sich die Geister: Frühstück oder nicht? Wenn ja – Brötchen oder Müsli oder Rührei mit Speck? Andere Länder, andere Sitten: Wer aus Japan kommt, frühstückt Reis, vergorenen Bohnenquark, Fischsuppe und sauer eingelegtes Gemüse. In bi- oder multinationalen Familien gehört die Toleranz schon am frühen Morgen dazu.

Es sind die Kleinigkeiten im Alltag, die eine Ehe schwierig machen können, an denen so mancher guter Vorsatz scheitert. Während deutsche Frauen ganz selbstverständlich daran gewöhnt sind, dass der Ehemann weiß, wie man eine Kaffeemaschine bedient, wo der Wäschekorb steht und wie man Schuhe putzt, sieht das in anderen Kulturen schon wieder anders aus. Geschlechterrollen, Arbeitsteilung, Zuständigkeiten – das sind Themen, die mit viel Geduld und Toleranz gemeinsam besprochen werden müssen.

Deutsch für alle? Drei Sprachen!

Wenn beide Partner die gleiche Sprache sprechen und das dann auch noch die Umgebungssprache ist, entspricht das dem normalen Alltag deutscher Familien. Was ist aber, wenn Mama aus Italien kommt und mit den Kindern Italienisch spricht, der Papa in Japan aufgewachsen ist und Japanisch spricht, beide sich beim Gaststudium in Berlin kennen- und lieben gelernt haben und einfach geblieben sind?

Deutsch mussten sie lernen, aber mit den Kindern spricht natürlicherweise jedes Elternteil in der eigenen Muttersprache. Natürlich haben Kinder, die in so einer mehrsprachigen Umgebung aufwachsen, zumindest in Sachen Sprachen lernen einen großen Vorteil gegenüber ihren Altersgenossen. Aber kann man alle Verständigungsprobleme wirklich lösen, indem man eine neue Sprache lernt? In der Regel nicht.

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Denn mit der Sprache sind oft Denkmuster und -systeme verbunden, die man nicht einfach ablegen kann. Und auch das erfordert viel Geduld und Toleranz. Multinationale Partner müssen gegenseitig Verständnis und Interesse für die jeweils andere Kultur aufbringen.

Kulturelle Eigenart oder individueller Spleen?

So genau lässt sich das irgendwie nie sagen … Aber es stimmt schon: Wenn der einzige Tibetaner in der Familie Schokoküsse mit Ketchup isst, dann stehen schnell alle Tibetaner unter Verdacht, Naschkatzen zu sein. Dass Menschen nicht nur eine Nation repräsentieren, sondern in erster Linie Individuen sind, wird da schnell vergessen. Böse gemeint ist das ja selten – aber nett ist es eben auch nicht.

Andererseits ist es für multinationale Partner einfacher, über persönliche Unarten einfach hinwegzusehen und Schwierigkeiten ganz tolerant auf kulturelle Unterschiede zu schieben. Am Ende sind eben auch multinationale Familien vor allem eines: Menschen.

Titelbild: © istock.com – hansslegers
Textbild: © istock.com – _jure

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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