Mommyjacking: Alles dreht sich um das Kind

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Junge Eltern mit sozialen Medien
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Was, wenn junge Leute Eltern werden? Wenn sich alles erst einmal ums Kind dreht? Macht sinnloses Surfen auf Facebook dann noch genauso viel Spaß wie vorher oder plagt vielleicht das schlechte Gewissen, weil man im gleichen Zeitraum eigentlich so viel anderes machen könnte? Mommyjacking nennt sich der Trend, jede mögliche Unterhaltung auf das eigene Kind zu lenken.

Es kommt, wie immer, aus Amerika

Nein, natürlich machen nicht nur die Amerikaner/-innen das. Mommyjacking ist auch hierzulande durchaus bekannt und häufig praktiziert. Lediglich der Begriff kommt aus den USA. Etwas humorvoll ist es schon, wenn man diese dreiste Angewohnheit junger Eltern als “Mami kapert …” (die Unterhaltung) bezeichnet. Die meisten jungen Eltern sind sich gar nicht bewusst, was sie da anrichten oder dass sie damit ihren Mitmenschen auf den Keks gehen.

Kurioserweise trifft das Phänomen online noch mehr als offline, im echten Leben sind Unterhaltungen normaler Art wohl auch mit Eltern hin und wieder möglich. Inzwischen beschäftigen sich sogar Blogs, Bücher und Soziologen damit: Warum tun Eltern das? Fällt ihnen nicht auf, dass es etwas deplatziert ist, jede Unterhaltung sofort auf das eigene Kind zu lenken?

Video: Kinder-Medien-Studie: Eltern & Neue Medien

Eine Generation von Egozentrikern auf Autopilot

Warum surfen junge Erwachsene im Internet, treiben sich permanent oder doch wenigstens einmal täglich für eine längere Zeit in sozialen Medien herum? In der Regel tun Menschen das, um einerseits abzuschalten und im Rahmen seichter Unterhaltung zu regenerieren. Früher tat man das bei Klatsch und Tratsch mit den Nachbarn, bei mehr oder minder albernen Talkshows im Nachmittagsfernsehen oder schlicht beim Friseur. Eine andere Facette ist, dass Menschen im weiten Netz etwas suchen, dass sie persönlich anspricht. Wenn also eine Nachricht im Chat, bei Facebook oder sonstwo auch nur einen entfernten Bezug zum eigenen Leben hat, sticht das im ansonsten eher anonymen Netz schon heraus.

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Und das wird bemerkt und kundgetan: Mit einer Antwort, die den persönlichen Bezug erkennen lässt. Mommyjacking ist nichts, was Menschen absichtlich tun. Es passiert einfach, und die meisten sind sich dessen gar nicht bewusst.

Mit Humor lässt es sich ertragen

Mutter mit IPadNatürlich will nicht jeder wissen, was der jeweilige Nachwuchs der 4.571 Freunde online gerade angestellt hat. Es interessiert auch niemanden, ob X heimlich in Dänemark einen Menschen aus Y geheiratet hat, genau zwei Wochen vor dem Geburtstag des geliebten Kindes von Z. Trotzdem: Gepostet wird es. Vor Mommyjacking ist keine Mitteilung sicher, weder die Todesmeldung des Opas, noch die bestandene Führerscheinprüfung oder die Gehaltserhöhung.

Es hilft vermutlich wenig, wenn die Hijacker auf ihre Untat aufmerksam gemacht werden, da Mommyjacking ja oft nicht einmal bewusst passiert. Vielleicht sollte man es eher mit Humor tragen und augenzwinkernd die Herkunft des Begriffs erklären. Blair Koenig sammelt übrigens auf ihrem Blog “STFU, Parents” die unpassendsten, nervtötendsten, blödesten … Fälle von Mommyjacking, anonymisiert und von “Opfern” zugesandt. Wer sich also ganz arg ärgert, darf sich dort gerne einmal Luft machen.

Sozialen Phänomenen auf den Grund gegangen

Kinder sind präsent in der Gesellschaft, sie werden thematisiert. Obwohl so mancher Hijacker das Gefühl hinterlässt, den eigenen Nachwuchs zu instrumentalisieren, um das Gespräch an sich zu reißen, zeigt allein die Häufigkeit von Mommyjacking doch auch, dass es an der Zeit ist, mehr über Kinder zu reden. Und zwar nicht, um den ein oder anderen Erziehungsstil zu verteufeln, arbeitende Mütter gegen Hausfrauen auszuspielen und über schlechte Schulen herzuziehen, sondern einfach mal so und ganz unbefangen. Eben “auf Autopilot”.

Titelbild: © istock.com – Milenko Bokan
Textbild: © istock.com – Antonio_Diaz

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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