Macht Schulessen dick? Debatte um Präventionsgesetz hält an

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Junkfood für Kinder
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Das Schulessen hat in Deutschland einen schlechten Ruf: Zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse und Obst, so das vernichtende Urteil einer Studie, die Ende 2014 veröffentlicht wurde. Für diese Studie hatte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg die Speisepläne von 760 Schulen ausgewertet. In Deutschland besuchen rund 2,4 Millionen Schüler heute eine Ganztagsschule, in der sie an mindestens drei Tagen pro Woche auch ein Mittagessen erhalten sollen. Dabei kommt jedoch zu viel Fleisch auf den Tisch häufig garniert mit kalorienhaltigen Fertigsoßen. Renner sind auch Pizza, Pommes mit Ketchup und Spaghetti – eben die Mahlzeiten, die den meisten Kindern schmecken.

Zusammenhang zwischen Schulessen und Übergewicht?

Die Bundesregierung arbeitet zwar an einem Präventionsgesetz um dem unter Kindern und Jugendlichen grassierenden Übergewicht Einhalt zu bieten, doch die Organisation Foodwatch wies den vorgelegten Entwurf nun als ungeeignet zurück. Sie fordert vor allem verbindliche Standards für das Essen in Schulen und Kitas, sowie eine verstärkte Kontrolle der Lebensmittelindustrie. Laut Foodwatch wurde deren Verantwortung im vorgelegten Entwurfstext mit keiner Silbe erwähnt. Dabei sei die Lebensmittelindustrie mit ihrer aggressiven Werbung und ihren überzuckerten und fettigen Produkten einer der Hauptschuldigen dafür, dass immer mehr Kinder und Jugendliche unter Übergewicht und Fettleibigkeit leiden.

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Schulessen oft von fragwürdiger Qualität

In den Schulen soll verstärkt kontrolliert werden, dass mehr gesunde Kost auf den Tisch kommt und keine Lebensmittel mehr mit überhöhtem Zucker- oder Salzgehalt. Allerdings scheitern Angebote mit gesundem Gemüse und Obst oft an den Kosten: Mittagessen werden in Schulen häufig schon für einen Preis von 1,50 Euro angeboten, doch um den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu genügen, müsste eine Mahlzeit mindestens das Doppelte kosten. Für viele klamme Schulen und Eltern mit geringem Einkommen eine stolze Summe.

Ein weiteres Problem ist die Einrichtung der Schulküchen, wie eine Studie der Hochschule Niederrhein ermittelt hatte: Die Wissenschaftler waren nach der Überprüfung von über 200 deutschen Schulmensen zu dem Schluss gekommen, dass rund 90 Prozent an den Standards der DGE scheitern. Die angebotenen Speisen waren oft nicht nur ungesund, sondern durch stundenlanges Warmhalten völlig verkocht und geschmacklos.

Lösungen sind nicht leicht zu finden

Um die Qualität des Schulessens zu steigern, wurde im letzten Jahr in Berlin 2014 das Gesetz über die Qualitätsverbesserung des Schulmittagessens beschlossen. Das Mittagessen in den Berliner Grundschulen kostete danach einheitlich 3,25 Euro. Verpflichtet war dabei, dass zu 40% Bio-Lebensmittel auf den Tisch kamen. Möglicherweise könnte dies als Vorbild für das gesamte Land dienen, doch die Bundesregierung belässt es nach Ansicht von Foodwatch vor allem bei Appellen an Eltern, Kinder und Schulen.

Sie sieht vor allem Eltern in der Verantwortung, die ihren Kindern eine gesunde Ernährungsweise mit viel Obst und Gemüse vorleben sollen. Denn mit der Ernährung der Erwachsenen ist es in Deutschland schließlich nicht viel besser bestellt: Als laut über die Einführung eines Veggie Days in deutschen Kantinen nachgedacht wurde, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Nation. Wenn also Papa und Mama nicht auf ihre täglichen Schnitzel und Koteletts verzichten können, warum sollte sich dann der Nachwuchs begeistert auf die vegetarische Lasagne stürzen?

Marketing für ungesundes Essen soll eingeschränkt werden

Foodwatch kritisierte außerdem, dass die Bundesregierung nicht wie mehrfach angekündigt Marketingbeschränkungen für ungesundes Essen einführt und stattdessen vor der Lebensmittellobby einknickt. So sollten Süßigkeiten, zuckrige Softdrinks und Junkfoods nicht mehr gezielt für Kinder angeboten werden – häufig gepaart mit Spielzeugbeigaben oder Sammelbildchen. Eine entsprechende Verordnung regte bereits vor zwei Jahren die Weltgesundheitsorganisation WHO an. Doch in absehbarer Zeit werden hier wohl keine Veränderungen zu erwarten sein – und die Zahl der übergewichtigen Kinder weiter zunehmen.

Sind Sie oder Ihr Kind übergewichtig?

Der BMI (Body Mass Index) zeigt ob Ihr Kind bereits übergewichtig ist oder gefährdet. Geben Sie dazu einfach Größe und Gewicht in den Rechner ein:

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Bildquelle: Foto: Photographee.eu – shutterstock.com

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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