Empathie bei Kindern fördern – wie lernen Kinder mitzfühlen?

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Mädchen, das einen kleinen jungen tröstet
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Niemand ist von Geburt an mitfühlend. Empathie zeigen Kinder nicht automatisch, es ist etwas, das gelernt werden und sich entwickeln muss. So können Eltern ihren Nachwuchs dabei unterstützen.

Die Trotzphase als Meilenstein

Ein Baby ist noch nicht fähig, die Gefühlslagen seiner Mitmenschen zu erkennen. Denn um Empathie zu entwickeln muss ein Kind erst lernen, zwischen sich und den anderen zu unterscheiden.

Auf dem Weg zur Entwicklung eines gesunden “Ich-Bewusstseins” spielt die Trotzphase eine wichtige Rolle. Damit ist die etwa ab dem Alter von zwei Jahren einsetzende Zeit gemeint, in der ein Kind – meistens in Form von heftigen Wutausbrüchen – anfängt, Selbstbewusstsein, eigene Wünsche und Ideen herauszubilden. So absurd es für die Eltern klingen mag, aber genau diese nervenaufreibende Phase ist der erste Schritt, Empathie bei Kindern wahrzunehmen. Denn der Trotz zeigt an, dass ein Kind nun in der Lage ist, sich selbst und andere als Persönlichkeit zu empfinden. Schon während der Trotzphase, die einen immens wichtigen Meilenstein der kindlichen Entwicklung darstellt, findet der nächste Schritt zur Empathie statt.

Während der sogenannten egozentrischen Empathie zeigen Kinder erstmals mitfühlende Reaktionen. Allerdings handeln sie so, wie sie es selbst für sich in derselben Situation als richtig empfinden würden: Ist zum Beispiel jemand traurig, wird das Kind der Person seinen Teddybären hinhalten. Das Kind ist also in der Lage, die Gefühle anderer zu deuten, versteht jedoch noch nicht, dass die Bedürfnisse seiner Mitmenschen anders gelagert sein könnten.

Empathie ist vor allem Erziehungssache

Ab dem dritten Lebensjahr werden empathische Reaktionen immer häufiger. Aber bis der Nachwuchs wirklich versteht, was es mit Rücksichtnahme, Höflichkeit und Fair Play auf sich hat, kann es noch dauern. Eltern wundern sich immer wieder, warum die Kleinen sich um Höflichkeitsfloskeln wie bitte und danke einen feuchten Kehricht scheren oder auf dem Spielplatz ohne Rücksicht auf Verluste um die Schaukel kämpfen. Was ein Dreijähriger tut, muss der Vierjährige jedoch noch lange nicht mehr machen. Daher gibt es erst einmal keinen Grund, sich für ein rabiates Kleinkind zu schämen oder sich zu fragen, was denn in der Erziehung falsch gelaufen sei.
Immer wieder lässt sich jedoch beobachten, dass manche Kinder einfach mitfühlender als andere zu sein scheinen. Empathie haben Kinder automatisch, möchte mancher meinen und schiebt es auf die Gene. Oder liegt doch alles an der Erziehung?

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Wissenschaftliche Studien kommen zu dem Schluss, dass beides bis zu einem gewissen Grad eine Rolle spielt. Trotzdem ist der Einfluss der Gene bei der Entwicklung von Empathie mit knapp 25 Prozent eher als gering einzustufen. Der Löwenanteil liegt bei den Eltern und anderen Bezugspersonen des Kindes, wie zum Beispiel Erzieherinnen im Kindergarten oder Großeltern.

Wie Eltern Empathie für Kinder schmackhaft machen

Ein warmherziges und liebevolles Zuhause vermittelt Kindern das Gefühl von Sicherheit sowie dem Funktionieren sozialer Bindungen.

Genau das wird benötigt, um gesunde Beziehungen zu anderen Menschen zu gestalten. Doch Eltern können noch mehr tun. Wichtig ist nämlich, wie die Kinder sie im Alltag erleben. Werden zu Hause Mitgefühl und Hilfsbereitschaft vorgelebt, ist das für die Kinder selbstverständlich. Durch einen induktiven Erziehungsstil, der die Kinder stets die Konsequenzen ihres Verhaltens für andere vor Augen führt, werden Werte wie Rücksichtnahme und Mitgefühl gefördert.

Moralpredigten helfen dabei jedoch weniger als der jeweiligen Situation angepasste Erklärungen. Auch Vorlesen hilft, Empathie an Kinder zu vermitteln. Denn wer mit den Helden der Geschichte fiebert, leidet und glücklich ist, bekommt automatisch ein Gefühl für das Denken und Handeln anderer Menschen. Zudem besteht ein enger Zusammenhang zwischen mitfühlendem Verhalten und Sprachkompetenz, wie zahlreiche Studien festgestellt haben.

Lob spornt Kinder an

Empathisches Verhalten zu entwickeln ist ein natürlicher Lernprozess bei Kindern. Eltern sollten diesen aktiv unterstützen. Dazu gehört auch Lob. Durch Zuwendung und positive Worte werden Kinder in ihrem Tun ermutigt und zur Wiederholung angespornt. Zeigt sich das Kind hilfsbereit im Haushalt oder macht sich besonders viele Gedanken über ein Geburtstagsgeschenk, ist es wichtig, diesen kleinen Aktionen gebührend Anerkennung zu zollen. Das verstärkt das Verhalten positiv und macht dem Nachwuchs daher Lust, es zu wiederholen.

Titelbild: ©iStock.com – Lordn

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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