Bindungsorientierte Erziehung – Vor- und Nachteile von „Attachment Parenting“

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Seit einigen Jahren sorgt das sogenannte Attachment Parenting insbesondere unter bildungsorientierten und akademischen jungen Müttern für Gesprächsstoff. Die vom US-amerikanischen Arzt der Kinderheilkunde in Büchern beschriebene Methode der Bindung zwischen Mutter und Kind steht einer autoritativen Erziehung nicht im Weg, geht aber von einem liebevollen und respektvollen Umgang miteinander aus.

Frühe Kontaktaufnahme für enge Bindung

Laut Sears entstehen viele Probleme und Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Eltern und Kindern daraus, dass sie sich gefühlsmäßig nicht nahe genug sind und einander dementsprechend in ihren Bedürfnissen nicht erkennen.

Für die enge Bindung sei es außerdem wichtig, dass das Kind immer so nahe wie möglich an der Mutter sei. Daher sollten Babys getragen werden (das Tragetuch wird gegenüber dem Kinderwagen befürwortet) und auch im Kleinkindalter bei Bedarf noch gestillt werden. Co-Sleeping wird ebenfalls empfohlen, um auch nachts die Nähe zwischen Mutter und Kind sicherzustellen. Im Deutschen wird Attachment Parenting als Bindungsorientierte Erziehung bezeichnet.

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Früh Kontakt aufnehmen

Sears plädiert für eine frühe und intensive Kontaktaufnahme: In den Minuten unmittelbar nach der Geburt gäbe es ein Zeitfenster, in dem das Kind durch körperliche Nähe zur Mutter und Augenkontakt geprägt werden könne. Dementsprechend wichtig sei es, dass Kind und Mutter wach und nicht unter dem Einfluss von Schmerzmittel seien.

Video: Attachment Parenting -Büchertipps

Bindungsorientierte Erziehung hat Vorteile

Die Vorteile von Attachment Parenting lassen sich nicht wissenschaftlich nachweisen, da die Studien hierzu extrem schwer durchzuführen sind. Es wurden nur wenige unternommen, und in diesen Fällen war es sehr schwer, alle beeinflussenden Parameter soweit herauszubrechen oder auszuschließen, dass die Ergebnisse eindeutig wären.

Sears selbst sprach von folgenden Vorteilen:

  • Kinder und Eltern haben eine engere Bindung und können stressfrei miteinander kommunizieren.
  • Folglich sind Kinder, die dank Attachment Parenting von ihren Eltern verstanden werden, insgesamt ruhiger, disziplinierter und können sich selbst besser regulieren.
  • Dank langen Stillens ist um die Gesundheit von Mutter und Kind (im Vergleich zu nach Zeitplan flaschenernährten Kindern) besser bestellt.
  • Co-Sleeping bietet den Kindern die Sicherheit, in Geborgenheit und Nähe zur Mutter zu einem eigenen, gesunden Schlafrhythmus zu finden, in ihrem eigenen Tempo.
  • Co-Sleeping hat zur Folge, dass sich der Atemrhythmus von Mutter und Kind angleicht, wodurch es seltener zu SIDS kommt, was von einem Aussetzen der kindlichen Atmung ausgelöst wird.

Bindungsorientierte Erziehung bringt auch Nachteile mit sich

Die Nachteile dieser zumindest für die Mutter sehr anstrengenden Erziehung liegen auf der Hand: Da alle Bedürfnisse des Kindes befriedigt werden sollten, bevor das Kind sie noch lautstark äußert, sind die Mütter unter Stress gesetzt. Das Kind darf auf keinen Fall schreien, sondern muss ruhig gehalten werden. Häufiges Stillen, oft bis zu 12mal innerhalb von 24 Stunden, macht einen normalen Tagesablauf oder einen nur halbwegs gesunden Schlafrhythmus unmöglich.

Dazu kommen bei vielen Frauen Verspannungen und verkrampfte Muskulatur im Bereich von Schultern, Nacken und Rücken, die auf schlecht sitzende Komforttragen zurückzuführen sind. Das sind die üblichen Nachteile, von denen berichtet wird. Außer Acht gelassen wird dabei, dass die bindungsorientierte Erziehung es Müttern erlaubt, sich ganz auf das Kind einzulassen und andere Belange zumindest zeitweise hintenan zu stellen.

Vor- und Nachteile relativieren sich

Dadurch, dass das Kind bei enger Bindung sehr schnell sehr gut verstanden wird, schreit es oft wirklich weniger, was die Mutter wiederum entlastet. Nächtliche Schlafunterbrechungen sind zwar ärgerlich, aber wer dank Co-Sleeping im Bett stillen kann, schläft dabei fast augenblicklich wieder ein und bekommt so unter Umständen mehr Schlaf als die Mutter eines Flaschenkindes, das vielleicht nur einmal in der Nacht nach Milch verlangt, danach aber die üblichen Probleme hat, alleine wieder in den Schlaf zu finden.
Bindungsorientierte Erziehung funktioniert dann gut, wenn sie auf den Lebensstil und den Umgang innerhalb einer Familie passt. Das ist nicht bei allen Familien per se der Fall. Dazu gibt es zusätzlich viele Ratgeber, die einem gute Ansätze und neue Ideen liefern können. Was davon letztendlich übernommen wird, sollte jedes Elternpaar für sich selbst entscheiden und die Erziehung den individuellen Bedürfnissen des Kindes anpassen.

Titelbild: ©istock.com – Choreograph

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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