5 Merkmale einer dysfunktionalen Familie und wie sie damit umgehen sollten

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Familie im Streit
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Eine dysfunktionale Familie kann sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern schwere emotionale Schäden verursachen. Sie lässt sich an der äußeren Fassade nicht erkennen, denn meist wirken dysfunktionale Familien sogar glücklich und äußerst friedfertig. Es gibt jedoch einige Merkmale einer dysfunktionalen Familie, die zeigen, dass es ein Problem gibt.

1. Keine oder eingeschränkte Liebe und Akzeptanz

In einer dysfunktionalen Familie existiert eine Art Wenn-Dann-Liebe. Den Kindern wird früh eingetrichtert, dass Liebe und Akzeptanz an Bedingungen gebunden sind.

Sätze wie „Wenn du das machst, hat Papa dich nicht mehr lieb“ oder „Du musst das machen, damit wir dich lieb haben können“ sind an der Tagesordnungen.

Doch auch Erwartungshaltungen wie „Mach uns stolz“ statt „Hab Spaß“ können schon dysfunktional wirken.

So wird im Unterbewusstsein der Kinder verankert, dass Zuneigung verdient werden muss anstatt selbstverständlich zu sein.

Man selbst sein ist hier nicht ausreichend. Hinzu kommen Spott und Kritik statt Wärme und Nähe. Negative Vergleiche wie „Deine Schwester kann das besser als du“ oder „Anderen fällt das doch ganz leicht“ mindern das Selbstwertgefühl des Kindes.

2. Persönliche Grenzen werden überschritten

Eigentum und Privatsphäre der Kinder, aber teilweise auch des Partners, werden in dysfunktionalen Familien von den Eltern nicht respektiert.
So kann es vorkommen, dass die Eltern das Zimmer des Kindes unaufgefordert und ohne Klopfen betreten oder gar Schränke durchsuchen.

Auf die Bedürfnisse der Kinder wird nicht eingegangen. Stattdessen werden Grenzen überschritten und das Kind soll die Bedürfnisse anderer bedienen.

In normalen familiären Verhältnissen kümmern sich Eltern um ihre Kinder, dysfunktionale Familien verdrehen dieses Bild und verschieben die Grenzen.

Die Kinder müssen sich um die Eltern kümmern oder das älteste Kind um seine Geschwister, als wäre es selbst ein Elternteil.

Die elterlichen Wünsche und Bedürfnisse haben in der Familie Priorität und müssen zwangsläufig erfüllt werden. Hier ist es besonders für Jugendliche wichtig, das „Nein-sagen“ zu erlernen.

Video: Merkmale einer dysfunktionalen Familie

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3. Rollenumkehrung zwischen Eltern und Kind

Wie bereits erwähnt, gelten als Merkmale einer dysfunktionalen Familie auch Rollenumkehrungen: Die Kinder kümmern sich um die Eltern und werden dadurch selbst zu solchen.

Oft geschieht dies in Fällen, wenn die Eltern krank oder abhängig sind, aber auch in Missbrauchsverhältnissen.

Schlägt der Vater die Mutter, passiert es häufig, dass die Kinder ihre Mutter schützen möchten. Das führt unweigerlich dazu, dass sie sich auch als Erwachsener schwer von den Eltern lösen können.

Weiterhin verspüren die Kinder auch später noch den Wunsch nach einer „echten“ Mutter oder einem „echten“ Vater. Das wirkt sich auf die Beziehungen aus.

Oft wird diese Verbindung dadurch ausgelöst, dass die Kinder von einem Elternteil als Ersatzpartner gesehen wurden.

Wenn der Vater zum Beispiel abwesend ist, projiziert die Mutter ihre Wünsche auf das Kind und sieht es als Partner oder Freund.

4. Die Eltern agieren nicht als Vorbild

Eltern haben eine Vorbildfunktion, um Kindern wichtige Botschaften mitzugeben. Bei Eltern mit inneren Konflikten und einem unerfüllten Leben sind das jedoch oft die falschen Botschaften.

Es handelt sich hierbei nicht um das gesprochene Wort, was das Kind tun soll, sondern eher um die vorgelebten Dynamiken und Verhaltensweisen.

Kinder lernen durch Imitation und Beobachtung. So eignen sie sich an, was sie bei ihren Eltern gesehen haben.

Wenn die Kinder schließlich erwachsen sind, verhalten sie sich unbewusst genau so wie Mutter oder Vater.

Helfen können anderweitige Vorbilder wie zum Beispiel Familien im persönlichen Umkreis, bei dem der Betroffene sehen kann, wie eine harmonische Familie arbeitet.

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5. Macht und Zwang statt Kommunikation

In einer dysfunktionalen Familie besitzt meistens ein Partner große Autorität, der andere handelt untergeben oder emotional abhängig.

Der dominante Elternteil spricht sich selbst alle Rechte zu und lässt seine Launen an der Familie aus. Die anderen Familienmitglieder hingegen müssen ihre Gefühle unterdrücken.

Bei Konflikten gibt es in der dysfunktionalen Familie keine Möglichkeiten zur Problemlösung, da nur wenig Kommunikation existiert. Probleme eskalieren in verbaler Gewalt.

Es ist auch möglich, dass die Konflikte vollkommen ignoriert und verdrängt werden, was in langem Schweigen resultiert.

Somit lernen die Kinder nie, ihre Gefühle auszudrücken. Streng durchgesetzte Kommunikationsregeln können in einer Familientherapie helfen, dieses Problem aufzulösen.

Fazit: Merkmale einer dysfunktionalen Familie

Dysfunktionale Familien sind geprägt von:
  • einem starken Machtgefälle,
  • eingeschränkter Zuneigung und
  • dem Überschreiten persönlicher Grenzen.

Oft gibt es eine deutliche Rollenumkehrung zwischen Eltern und Kind. Therapeuten und Familienberater können helfen, die Probleme zu identifizieren und aufzulösen.

Dabei sollten sich Betroffene nicht davor scheuen, professionelle Hilfe zu suchen. In schweren Fällen kann der Abstand zur Familie helfen, sich über die eigenen Bedürfnisse klar zu werden.

Titelbild: © iStock – shironosov

Über den Autor

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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