Zu viel Lob bei der Kindererziehung: Ab wann ist es schädlich?

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Eltern loben Kind
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Weil viele frischgebackene Mütter und Väter gleitet von dem Motto „Nicht geschimpft ist schon genug gelobt“ erzogen worden sind, wollen sie natürlich an den eigenen Kindern alles besser machen und greifen zu übermäßig viel Lobhudelei. Dabei ist genauestens zu unterscheiden, für was Anerkennung verteilt wird.

Viel hilft viel? Nicht beim Loben!

Wer ständig für Charakterzüge, normale und eigentlich als selbstverständlich geltende Verhaltensweisen und optische Vorzüge gelobt wird, muss bald ein aufgeblähtes Ego samt übersteigertem Selbstbewusstsein verwalten. Deshalb tun Eltern ihren Kindern keinen Gefallen, stimmen sie einen Preisgesang darüber an, dass der Sohn „ja so ein cleverer Junge“ oder die Tochter ein überaus „hübsches und liebes Mädchen“ ist.

Nur weil ein Sechsjähriger etwas vom Boden aufhebt, was er selbst hinuntergeworfen hat, braucht es keine lobenden Worte. Bei einem 18 Monate alten Kleinkind sieht es in diesem Zusammenhang anders aus. Einen derart jungen Sprössling sollten Mama und Papa noch für kleine, unbedeutende Handlung mit Anerkennung beschenken. Das Lob ist also altersabhängig und an die Lebensumstände anzupassen. Wird das Kind stetig und in wiederkehrender Penetranz mit personenbezogenen Komplimenten bombardiert, schadet dies möglicherweise sogar. Manche werten die schmeichelnden Worte als Druck und Triebfeder des Perfektionismus.

Video: Lerntipps für Kinder: Loben und ermutigen

Gesunde Bewunderung macht Kinder stark

Leistete das Kind etwas, gelang ihm oder ihr die Lösung einer kniffeligen Aufgabe und hat es sich von anfänglichen Schwierigkeiten nicht entmutigen lassen, dürfen und sollten die Eltern dies sogar mit einem Lob bedenken. Das sogenannte Prozess-Lob zieht jedoch keine Vergleiche zu anderen Kindern heran. Ein „Prima, Max! Jetzt kannst du es bald genauso gut wie Mathilde!“ wird den kleinen Jungen eher deprimieren. Besser ist es deshalb die vormals von Max erzielten Ergebnisse heranzuziehen und diese mit der aktuellen Handlung in Relation zu stellen.

Deshalb muss es heißen: „Super! Heute warst du viel schneller als beim letzten Mal!“ Diese elterlichen Kommentare dürfen indes nicht leichtfertig erfolgen oder nur gesagt werden, damit das Kind Ruhe gibt und beispielsweise aufhört ein Telefonat zu unterbrechen. Ernstgemeinte und konstruktive Anerkennung, die auch durchaus eine kleine Kritik beinhalten darf, hilft später dabei ehrgeizig und ausdauernd Ziele zu verfolgen.

Das Worst-Case Scenario: die Konsequenzen übertriebenen Lobs

Wissenschaftler streiten sich noch darüber ob emotionale Kälte oder überschwängliche Vergötterung von Seiten der Eltern eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hervorbringt. Fest steht allerdings, dass beide Varianten von der Thematik Lob dominiert werden. Kinder haben ein ausgeprägtes Gefühl dafür, ob jemand lügt und nur lobt, um anschließend sich den eigenen Interessen widmen zu können. Diese gefühlsmäßige Nicht-Zugewandtheit und das Fokussieren auf die persönlichen Bedürfnisse macht die Droge „Anerkennung“ für die Kleinen zum lebensbestimmenden Thema. Sie brauchen den Applaus, die Lobhudelei der anderen wie die Luft zum Atmen und sind auch bereit dafür zeitlich einiges in Kauf zu nehmen. Sie eifern ihren Müttern und Vätern nach, um deren Aufmerksamkeit zu erlangen.

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Doch auch Eltern, die ihre Kinder liebevoll aber zu übertrieben preisen, machen sich schuldig. Der Nachwuchs glaubt durch das ständige Sich-vor-ihm-in-den-Staub-werfen tatsächlich der Größte, Beste, Schönste oder Schlauste zu sein. Eine Weltsicht, die bei Klassenkameraden nicht sonderlich gut ankommt.

Die Dosis macht es aus!

Wie in allen Belangen ist die Ausgewogenheit auch beim Loben von entscheidender Bedeutung. Kinder für etwas, das sie selbst geleistet haben anerkennend auf die Schultern zu klopfen, meint allzeit eine lohnenswerte und sinnvolle Sache. Lob für Erreichtes ist gut, Applaus für Gegebenes dagegen Nonsens!

Titelbild: © istock.com – michaeljung

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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