Was tun? – Wenn die Familie in der Krise steckt

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So bewältigen Sie Ihre Familienkrise
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Im Idealfall ist die Familie der Ort, der uns zum einen Wurzeln gibt und gleichzeitig Flügel verleiht. Familie gibt uns die Geborgenheit des Miteinanders und auf dieser Basis die Sicherheit und Freiheit, als Erwachsene in das eigene Leben zu gehen. In der Familie sehen und erfahren wir, wie man Bindungen eingeht.

In Krisen werden diese Gefühle der Geborgenheit und Sicherheit empfindlich gestört und je nach Größe und Schwere der Krise in ihren Grundfesten erschüttert. Das kann passieren, wenn

  • ein Kind auf die Welt kommt
  • ein weiteres Kind in die Familie kommt
  • ein Umzug stattfindet und Schule und Job gewechselt werden müssen
  • ein Ehepartner den Job verliert oder die Stelle wechselt
  • ein Ehepartner die Beziehung beenden möchte
  • sich getrennte Partner mit Kindern zu einer neuen Patchwork Familie zusammentun
  • die pubertierenden Teenager Probleme haben (Schule, Drogen, soziales Umfeld)
  • die erwachsenen Kinder aus dem Haus gehen
  • ein Familienmitglied schwer krank wird
  • ein Familienmitglied stirbt

Alle diese Ereignisse stören die Alltagsroutine, sie bringen unser Leben, so wie wir es bis zu diesem Zeitpunkt gewohnt waren, durcheinander und ganz besonders Kinder reagieren sehr empfindlich auf solche Veränderungen, denn Routine gibt uns ein Gefühl der Sicherheit.

Wenn das Miteinander in der Familie in Balance ist und unter allen Mitgliedern offene, wertschätzende Kommunikation stattfindet, kann ein Ereignis wie beispielsweise die Ankunft eines Kindes oder auch ein Umzug gut verkraftet werden.

Schwieriger wird es, wenn jemand sehr krank wird oder gar stirbt. Häufig sind dann die Erwachsenen so in ihrer eigenen Angst gefangen, dass sich die Kinder alleine gelassen fühlen. Genauso kann es vorkommen, dass auch die Ehepartner untereinander „sprachlos“ vor Kummer und Sorge sind, sich vom anderen in dieser Ausnahmesituation nicht verstanden fühlen und sich voneinander zurückziehen.

Was hilft, ist sich darüber im Klaren sein, dass alle Beteiligten Zeit brauchen. Ganz wichtig ist außerdem, mitzuteilen, dem und den anderen zu sagen, wie einem ums Herz ist. Dazu gehören auch die eigenen Befindlichkeiten, dass man selbst traurig, vielleicht auch wütend ist, dass man selbst unsicher ist und nicht weiß, wie es weitergehen soll.

Woran Sie merken, dass die Krise gar nicht bis schwer bewältigt wird:

Keine oder mangelhafte Kommunikation

Die einzelnen Mitglieder der Familie sprechen entweder gar nicht miteinander oder haben es nie gelernt, dem anderen so zuzuhören, dass er versteht, was dieser mit Worten oder Handlungen auszudrücken versucht.

Die Unfähigkeit, Konflikte und Meinungsverschiedenheiten aufzulösen

Dies passiert besonders dann, wenn die Familienmitglieder es vermeiden, über die Probleme zu sprechen oder gar komplett leugnen, dass es überhaupt einen Konflikt gibt. Das führt dazu, dass der Konflikt immer weiter unausgesprochen schwelt und auf diese Weise zwar eine gewisse Traurigkeit und Unwohlsein verursacht, es aber der Familie erlaubt zu leugnen, was das tatsächliche große Thema ist, weil unbewusst befürchtet wird, dass dies nicht zu ertragen wäre. Viele Familien haben es einfach nicht gelernt, sich offen auseinanderzusetzen oder können, aus welchen Gründen auch immer, ihre negativen oder verletzten Gefühle nicht loslassen. Kinder tendieren dazu, dieses Verhalten von ihren Eltern zu übernehmen und weigern sich dann als Erwachsene ebenfalls über ihre Probleme und Gefühle zu sprechen.

Die Problemlösung funktioniert nicht

Die Familienmitglieder haben Schwierigkeiten zu sehen, dass ein Problem existiert, zu entscheiden, wer verantwortlich ist und welche Optionen es gibt, das Problem zu lösen. Sehr wahrscheinlich besteht dann Unklarheit darüber, welche Prioritäten es innerhalb der Familie gibt.

Die Verantwortlichkeiten sind nicht eindeutig verteilt

Oft ist nicht klar, wer wofür verantwortlich ist. Wenn das der Fall ist, kann sich das Familienleben äußerst chaotisch gestalten. Auch kann es passieren, dass die Familie in sich völlig unflexible ist und keiner dem anderen helfen will und die Verantwortlichkeiten untereinander hin und her geschoben werden, wenn sich die Umstände ändern.

Ungenügende emotionale Unterstützung

Ganz besonders für Kinder ist die Familie die wichtigste Quelle emotionaler Unterstützung. Ohne diese Unterstützung kann sich ein Kind nicht optimal entwickeln und entfalten.

Unterschiede werden nicht toleriert

Am besten funktioniert eine Familie wenn die Besonderheiten und Eigenarten jedes einzelnen wertgeschätzt und toleriert werden. Respekt ist hier das Stichwort. Wenn die Liebe zurückgehalten wird, weil man den anderen in seiner Andersartigkeit nicht akzeptieren kann, haben Kinder große Schwierigkeiten ein gesundes Selbstbild zu entwickeln und sie werden sehr wahrscheinlich wenig Selbstbewusstsein und schwach ausgeprägte soziale Kompetenzen haben.

Übermäßige Abhängigkeit von anderen

Kinder brauchen Erfolgserlebnisse, um das Gefühl zu entwickeln, dass sie in der Lage sind, den Stürmen des Lebens standzuhalten. Wenn ihnen beigebracht wird, dass sie sich auf andere verlassen sollen, um ihre Probleme zu lösen, werden sie auch in diesem Fall geringes Selbstbewusstsein entwickeln und wenig Initiative zeigen, die Herausforderungen des Lebens selbst anzugehen.

Von Eltern erfordert es ein hohes Maß an Energie und Kreativität, den Anforderungen einer Familie gerecht zu werden.

Wie Sie eine Familienkrise überwinden können

Wenn eine Familie in der Krise steckt, fühlt man sich schnell von dem Berg an Anforderungen erstickt. Um aus dem Schmerz herauszufinden, gibt es Möglichkeiten, manchmal auch Opfer, die man bringen muss. Das können Sie tun, um weiterzugehen und die Krise zu überleben:

  • Hören Sie auf zu beschuldigen: Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, um mit dem Finger auf andere zu zeigen. Sie brauchen Ihre Energie jetzt, um sich auf die Problemlösung zu konzentrieren, und nicht um den Schuldigen zu finden. Ärger und Ressentiments hindern Sie jetzt nur daran, dass die Familie zusammenhält.
  • Setzen Sie Prioritäten: Wenn es mehr als ein Problem gibt, nehmen Sie zuerst das in Angriff, das am meisten drückt, und dann kümmern Sie sich um den Rest. Immer nur eins nach dem anderen ist ein Schlüssel für erfolgreiche Problemlösung bei Familienkrisen.
  • Fühlen Sie dem anderen nach: Stellen Sie sich in die Schuhe des anderen. Wenn wir emotionale und angespannte Zeiten durchmachen, passiert es schnell, dass wir uns in den eigenen Gefühlen verlieren und die anderen vergessen. Stellen Sie sich vor, wie jeder einzelne, der an der Situation beteiligt ist, sich fühlen muss, um die Gesamtsituation zu verstehen.
  • Überdenken Sie die Einheit in Ihrer Familie: Wenn Ihre Familie als Einheit nicht mehr funktioniert, sollten Sie genau hinschauen, in welcher Weise Sie alle agieren. Wird ein Kind von einem Elternteil mehr beachtet als die anderen? Kommuniziert ein Kind mehr als das andere? Eine Veränderung in der Familiendynamik könnte ein wichtiger Schritt in Richtung Heilung sein.
  • Machen Sie sich klar, dass alle betroffen sind: Was einem Familienmitglied passiert, passiert allen. Unsere Probleme entstehen immer im Miteinander. Wenn Sie sich nur auf die bedürftige Person konzentrieren, befassen Sie sich nur mit Teilen des Problems. Stellen Sie sicher, dass jeder die Chance hat, seinem Herzen Luft zu machen.
  • Bleiben Sie nicht in der Vergangenheit hängen: Was geschehen ist, ist geschehen. Anstatt die Zeit damit zu vergeuden, zu wünschen, dass Sie die Dinge anders gehandhabt hätten, ändern Sie Ihr Verhalten jetzt und heute und konzentrieren sich auf die Zukunft Ihrer Familie.
Mädchen Ratgeber
Wir alle streben nach Perfektion – dennoch, die perfekte Familie gibt es nicht. Jede Familie hat ihre Stärken und ihre Schwächen, Vorzüge und Verpflichtungen, Herausforderungen und Probleme. Wenn Ihre Familie überwältigt ist von Problemen, oder wenn es einen Zusammenbruch innerhalb der Beziehungen Ihrer Familie gibt, sollten Sie sich nicht scheuen, sich von außen Hilfe zu holen.

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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