Verhaltensauffällige Schüler: Wie Sie als Lehrer/In auf die Eltern zugehen können

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Lehrkräfte haben es nicht leicht: Die Klassen sind oft groß, die Kinder sowohl in Sachen Kenntnisstand als auch hinsichtlich der Lernaffinität stark durchgemischt, und oft genug kommen im Unterricht Probleme auf. Die Schülerinnen und Schüler verhalten sich auffällig, arbeiten nicht mit, stören unter Umständen ihre Mitschüler und Mitschülerinnen. Niemandem fällt es leicht, Eltern auf Verhaltensauffälligkeiten anzusprechen, denn die reagieren nicht immer freudig auf solche Nachrichten.

Verhaltensauffälligkeiten können verschiedene Ursachen haben

Was ist verhaltensauffällig? Wenn ein Kind bereits mit einer Hyperaktivitätsstörung diagnostiziert ist, sollte sporadische Unaufmerksamkeit vielleicht nicht unbedingt als Verhaltensauffälligkeit betrachtet, sondern eher ignoriert oder vorsichtig angemahnt werden. Anders ist das bei normal entwickelten Kindern. Bei ihnen kann Träumerei, Konzentrationsschwäche und Resistenz gegenüber Maßregelung auf ganz unterschiedliche Probleme hindeuten.

Lehrkräfte sollten sich dieser möglichen Ursachen bewusst sein. Lernstörungen können auffälliges Verhalten genauso verursachen wie mentale Beeinträchtigungen, psychische Probleme oder schwierige Situationen im Elternhaus. Bevor Eltern in irgendeiner Art und Weise informiert werden, sollten Lehrkräfte das betreffende Kind genau beobachten, um vielleicht schon einen Hinweis auf die mögliche Ursache zu bekommen.

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Erstgespräch in entspannter Atmosphäre

Eltern haben auch ihr Päckchen zu tragen, sind vielleicht beruflich in schwierigen Situationen, sind in familiär schwierigen Situationen oder haben selbst in der Schule negative Erfahrungen gemacht. Eine direkte Konfrontation hilft niemandem, am wenigsten dem betroffenen Kind. Verhaltensauffällige Schüler brauchen vor allem eines: Hilfe. Und die bekommen sie am ehesten, wenn Eltern und Lehrkräfte zusammenarbeiten.

Ein Gespräch in einer entspannten Atmosphäre, möglicherweise bei einem Besuch im Elternhaus zu einem von den Eltern gewünschten Termin, sorgt dafür, dass nicht von Anfang an die Fronten verhärtet sind. Schuldzuschreibungen sollten auf jeden Fall vermieden werden, denn an Verhaltensauffälligkeiten trägt niemand die Schuld. Es handelt sich hierbei lediglich um Symptome eines tieferliegenden Problems, das gemeinsam behoben werden sollte.

Bei verhaltensauffälligen Schülern immer ehrlich sein

So unangenehm es auch sein mag: Bei der Bitte um einen Gesprächstermin sollten Eltern auf keinen Fall angelogen werden. Die Fakten gehören dazu. Lehrkräfte sollten sich diplomatisch, aber ehrlich verhalten und verhaltensauffällige Schüler auch einbeziehen. Denn immerhin benötigen die Kinder Hilfe, um vom Schulunterricht trotz der vorhandenen Probleme profitieren zu können. Gemeinsam mit Eltern und dem betroffenen Kind sollte überlegt werden, woher das auffällige Verhalten kommt, ob das Kind es auch in einem anderen Umfeld zeigt und ob der verhaltensauffällige Schüler oder die Schülerin vielleicht Hilfe von anderer Seite benötigt. Hinzugezogen werden können Heilpädagogen ebenso wie Schulpsychologen und -psychologinnen, Sozialarbeiter/-innen und andere betroffene Lehrkräfte.

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Das ist aber erst der zweite Schritt, und der sollte nicht vor, sondern nach einem Gespräch mit den Eltern unternommen werden. Allerdings sollten sich Eltern wie auch Lehrkräfte dieser Möglichkeiten bewusst sein und nicht unter Druck miteinander sprechen.

Per E-Mail, Telefon oder persönlich

Während Grundschüler/-innen noch oft von ihren Eltern zur Schule gebracht oder abgeholt werden, ist die Lage bei Kindern und Jugendlichen an weiterführenden Schulen etwas anders: Eltern trifft man nicht automatisch jeden Tag am Schultor. Fachlehrkräfte sollten sich an den Klassenleiter oder die Klassenleiterin wenden, wenn es Probleme gibt: Da sind Kontaktdaten wie E-Mail Adresse und Telefonnummer hinterlegt. Ob dann der Klassenleiter/die Klassenleiterin den Kontakt herstellt oder die Fachlehrkraft, ist eigentlich egal. Den Gesprächstermin wahrnehmen muss auf jeden Fall die Lehrkraft, die die Verhaltensauffälligkeit betrifft.

Titelbild: © istock.com – Jani Bryson

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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