Pisa-Studie „Alltagsprobleme“: Deutschlands Kinder erschreckend hilflos

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Bei der Pisa-Studie vor vier Monaten konnte Deutschland noch kleine Erfolge in den Fächern Mathe und Deutsch verzeichnen, doch jetzt der große Schock. Eine neue veröffentliche Studie zeigt, dass jeder/jede 15jährige/r mit dem Lösen von Alltagsproblemen überfordert ist.
Wissen Kinder wirklich nicht, wie man einen Staubsauger bedient oder wie man das richtige Ticket am Fahrkartenautomaten löst? Dem Ergebnis des aktuellen Pisa-Tests zufolge hat jeder fünfte Jugendliche Schwierigkeiten, wenn sie mit ganz normalen Alltagsdingen konfrontiert werden.

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85.000 Schüler aus 44 Ländern

Weltweit beteiligen sich zehntausende Jugendliche an der Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die alle drei Jahre abgehalten wird. Es werden Tests in Mathe, Naturwissenschaften sowie das Leseverständnis getestet. Das Ergebnis der „Bildungs-Studie“ präsentierte die OECD bereits letztes Jahr.

Neben dem Test, der das Schulwissen prüft, wurde diesmal auch die Problemlösungskompetenz unter die Lupe genommen. Rund 85.000 Schüler aus 44 Ländern nahmen an diesem Test teil, der alltägliche Herausforderungen zum Thema hatte.

Schwierigkeiten mit Alltagsproblemen

Eine der Fragen behandelte zum Beispiel den Fahrkartenkauf in einer fremden Stadt und beantwortet werden sollte, welches das richtige Ticket ist, wenn man als Schüler (ermäßigter Fahrpreis) vier Fahrten mit der U-Bahn quer durch die Stadt machen möchte.

Auch das Prinzip eines Staubsaugers oder die Bedienung eines Handys, einer Klimaanlage und eines MP3-Players gehörten zu den Aufgaben. Beantwortet wurden die Fragen von den Schülern am Computer. Die Forscher konnten so überprüften wie die Jugendlichen zum Ziel kamen, ob sie die Antwort genau wussten oder nur geraten haben.

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Stärken und Schwächen

Im Großen und Ganzen haben die deutschen Jugendlichen eigentlich nicht schlecht abgeschnitten, eher im Gegenteil, so erzielten rund 13 Prozent der Kinder überdurchschnittliche Ergebnisse, wovon die Mehrheit (60 Prozent) Jungen waren. Dies entspricht dem OECD-Durchschnitt.

Genau erklären können sich die Forscher den Geschlechterunterschied zwar nicht, aber sie gehen davon, aus dass es mit dem Grundverständnis für Mathematik zusammenhängt (Problemlösungen im Alltag haben meist mehr mit Mathe zu tun als mit der Lesekompetenz). In diesem Fach schneiden die Jungen in der Regel besser ab.

Besser oder genauso gut als Deutschland schnitten die Kinder insbesondere in asiatischen Ländern wie Südkorea, Japan, China und Singapur sowie Schüler in Kanada, Australien, Finnland, England, Estland, Frankreich, den Niederlanden, Italien, der Tschechischen Republik, den USA und Belgien.

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Doch zu viele Kinder haben Probleme

Trotz der guten Ergebnisse liegt Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt und ist es erschreckend, dass 20 Prozent der Jugendlichen in Deutschland im Alltag abgehängt werden. Dabei handelt es zumeist genau um den gleichen Prozentsatz, der auch in der Schule mit Problemen zu kämpfen hat. Laut Studie haben überdurchschnittlich viele Kinder mir Migrationshintergrund Schwierigkeiten mit Alltagsproblemen klar zu kommen.

Grund sei vor allem, dass die Schule die Jugendlichen zu wenig auf die komplexen Probleme des Alltags vorbereitet. Aber auch das Elternhaus trage Schuld, denn die Eltern trügen die Verantwortung ihren Kindern die Handhabung von Alltagsdingen beizubringen. Kinder mit wohlhabenden Akademikern erzielten oft die besseren Ergebnisse.

Bildquelle: Coypright Riccardo Piccinini – shutterstock.com

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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