Ein Pflegeblogger im Interview: Martin Röder steht uns Rede und Antwort!

0
Pflegeblogger im Interview
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Bewertunge(n), Durchschnitt: 5,00 von 5)
Loading...

Die Pflege erlangt in Deutschland mit jedem Jahr einen größeren Stellenwert. Denn der demographische Wandel schreitet vorran, es gibt immer mehr pflegebedürftige Menschen. Die Frage nach bezahlbaren, kompetenten und einfühlsamen Pflegefachkräften fällt immer häufiger. Kann der Pflegeblogger Martin Röder sie in unserem Interview beantworten?

Du bist nicht nur Blogger, sondern auch als Pflegekraft beruflich aktiv – Wer ist dein Dienstherr und was sind deine Aufgaben?

Ich arbeite bei einem dezentral organisierten deutschen Wohlfahrtsverband. Zu meinen Aufgaben gehört die Grund- und Behandlungspflege betagter Menschen sowie die hauswirtschaftliche Versorgung und soziale Betreuung.

Inwiefern lässt sich das Bloggen mit dem Beruf im Pflegebereich und dem Privatleben vereinen? Ist Termindruck und Zeitmangel dein ständiger Begleiter?

Ich blogge schon seit etwa acht Jahren und habe mich im Juli 2010 dazu entschlossen ein Nebengewerbe zu gründen. Da ich von Anfang an aus reinem Interesse (an neuen Medien) bloggte, kenne ich das Wort „Termindruck“ nicht. Ich verdiene zwar etwas Geld, aber dennoch ist es nur eine Leidenschaft – keine Pflicht. Der Blog findet sich unter http://www.martin-roeder.de/.

Bist du Idealist in deinem Beruf oder geht es für dich in erster Linie ums Brötchen verdienen?

Ich bin ein verträumter Idealist. Gerne breche ich aus den festgesetzten Strukturen innerhalb der Pflege aus, indem ich in meiner Freizeit ebenfalls etwas mit meinen Klienten unternehme. Ein Besuch beim Kaufmannsladen, um etwas für eine Kundin zu besorgen, lässt sich innerhalb der festen Dienstzeiten leider nur schwer realisieren. Auch gebe ich mir viel Mühe, dass meine Klienten nichts von meinem Zeitdruck bemerken, wenn ich es eilig habe, um zum nächsten Kunden zu springen.

Ist die staatliche Versorgung in puncto Pflege in der Bundesrepublik aus deiner Sicht akzeptabel? Oder versagt das Gesundheitssystem?

Als Pflegekraft bin ich stets bemüht, innerhalb meiner fest verplanten und vorgeschriebenen Zeit, alle meine Pflegeempfänger optimal zu versorgen und glücklich zu machen. In puncto Pflege muss unser Land aber noch einiges verbessern.

Wie steht es aus deiner Sicht generell um die Pflege in Deutschland? Können ältere Menschen sorgenfrei auf die pflegerische Infrastruktur setzen?

Die Pflege in Deutschland ist zwar kein blühendes Weideland, dennoch ist eine pflegerische Versorgung in unserem Land gewährleistet.

Viele Medienberichte echauffieren sich über die Zustände in einigen Pflegeheimen: Zu wenig Personal, zu wenig Zeit, schlechte Einarbeitung. Zeitungsente oder traurige Wahrheit?

Es wäre falsch hierauf eine allgemeingültige Antwort zu geben. In meinen letzten sieben Dienstjahren bin ich bisher nur auf zwei solch dramatische Zustände gestoßen. Ich kann Ihnen versichern, dass unsere Heimaufsichtsbehörde eine sehr gute Arbeit leistet.

Wenn heute ein Flugzeug abstürzen würde, dann würden in den nächsten 14 Tagen mindestens zehn weitere Flugzeugabstürze in unseren Zeitungen stehen… Verstehen Sie was ich damit meine?!

Was rätst du Angehörigen, die für ihre Eltern nach einem passenden Pflegedienst Ausschau halten?

Vergessen Sie die Pflegenoten, denn Papier ist geduldig! Verlassen Sie sich auf Ihr Bauchgefühl: Besuchen Sie eine Pflegeeinrichtung und schauen Sie ganz plump, ob es dort sauber und gemütlich ist. Oft hilft es auch, sich einige Minuten in eine Ecke zu setzen und das Treiben zu beobachten.

Vielen Dank für das Interview!

Bildquelle: Rangizzz – Fotolia

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

Keine Kommentare