Masern auch im Sommer! Klassische Kinderkrankheiten im Portrait – ein Gastbeitrag von Katharina Brahms

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Neben Masern und Mumps bestehen viele weitere Kinderkrankheiten
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Kinderkrankheiten gibt es viele. Doch wussten Sie, dass Masern auch im Tarnmantel einer Erkältung im Hochsommer daherkommen können? Gastautorin Katharina Brahms erzählt dazu eine passende Geschichte – direkt aus dem Leben gegriffen – und gibt im Anschluss eine griffige Einführung zu den klassischen Kinderkrankheiten.

Kurz vor den großen Sommerferien muss die 11-jährige Lisa von ihrer Mutter aus der Schule abgeholt werden. Die Klassenlehrerin hatte nach der 2. Schulstunde auf der Arbeitsstelle von Lisas Mutter angerufen, weil das Mädchen über Bauchschmerzen klagte, im Gesicht verquollen aussah und während des Unterrichts mehrmals hustete.

Die Mutter vermutet, als sie in der Schule ankommt, dass die Autofahrt mit dem offenen Fenster am Wochenende bei Lisa eine Erkältung verursacht hat. Die Klassenlehrerin nickt: „Morgen geht es dir bestimmt schon wieder besser, aber heute erholst du dich erst einmal schön zu Hause. Bald sind ja auch Ferien!“ Am nächsten Tag kommt Lisa aber nicht zur Schule, denn ihr geht es nicht besser. Im Gegenteil. Die Mutter fühlt bei ihrer Tochter morgens nach dem Aufstehen eine erhöhte Temperatur und entdeckt die gerötete Mund- und Rachenschleimhaut. Komisch, denkt sie, wir haben doch Sommer, und fährt mit Ihrer Tochter zum Kinderarzt. Die Mutter der kleinen Lisa reagiert erstaunt, als der Kinderarzt schließlich erklärt, ihre 11-jährige Tochter habe die Masern.

Es beginnt mit Schnupfen und Husten und sieht aus wie eine Erkältung

Zwar hat die Mutter von Lisa richtig gehandelt, erkannt hat sie die Kinderkrankheit als solche allerdings nicht. Dies ist aber auch gar nicht so einfach, da viele der typischen Kinderkrankheiten wie Masern, aber auch Windpocken, Röteln und Mumps mit erkältungs- und grippeähnlichen Symptomen (oft Fieber und Husten) beginnen und die Diagnose so erschweren. In der wärmeren Jahreszeit denken viele Eltern zudem nicht an die klassischen Kinderkrankheiten, da diese ja meist nur in den kalten Monaten auftreten.

Kinderkrankheiten in Deutschland wieder auf dem Vormarsch

Die Zahlen der Impfungen in Deutschland sind rückläufig Zahlreiche Kinderkrankheiten sind in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Der Grund: aus Angst vor unerforschten Wirkstoffen entscheiden sich Eltern gegen die Impfung des eigenen Kindes.

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Lisas Mutter gehört außerdem jener Generation von Eltern an, die zunehmend Verfechter der Impfkritik wird. Zu Beginn des Millenniums nahm die Diskussion in Deutschland über die Vor- und Nachteile von Impfungen verstärkt zu. Heute erinnert sich Lisas Mutter nicht mehr daran. Die Masernimpfung habe sie schlicht und einfach „nicht mehr auf dem Plan“ gehabt, zumal die Impfung auch bis heute nicht vom Gesetz vorgeschrieben ist.

Ähnlich verhielten sich viele Eltern, deren Kinder im Jahre 2000 und später geboren wurden. Infolge dieser fehlenden Masernimpfungen im Kleinkindalter erkrankten deshalb in diesem Jahr (2013) wieder viele Schulkinder an Masern. Während im vergangenen Jahr bundesweit 166 Fälle registriert wurden, gab es bis zum 30. Juni 2013 nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits 1.070 bestätigte Fälle. Sogar noch Anfang Juli kam es an der Waldorfschule in Erftstedt (NRW) zu einem Masernausbruch.

Die klassischen Kinderkrankheiten

Kinderkrankheit Krankheitsverlauf
Masern werden von Viren ausgelöst und beginnen oft mit Husten und Schnupfen, teilweise verbunden mit einer Bindehautentzündung der Augen. Wie bei Lisa sind die Mundschleimhaut und der Rachen meist gerötet und im Mundraum sieht man kleine weiße Flecken. Nach ca. 3-4 Tagen beginnt sich ein dunkelroter fleckiger Hautausschlag auf dem Körper auszubreiten, meist von den Ohren aus zum Gesicht und schließlich über den ganzen Körper. Die Flecken laufen teilweise ineinander über. Der Ausbruch wird meist von einem Fieberschub bis über 40°C begleitet, also Achtung! Nach max. 2 Wochen sollte die Krankheit vorüber sein.
Mumps Typisch für diese klassische Kinderkrankheit ist die bekannte „dicke Backe“, die von einer schmerzhaften Schwellung der Ohrspeicheldrüsen herrührt. Begleitet wird diese Virusinfektion von Schmerzen beim Kauen und beim Bewegen des Kopfes. Achten Sie auch auf Fieberanzeichen sowie Kopf- und Bauchschmerzen. Bei Jungen kann es sogar zu Hodenschmerzen, bei Mädchen zu Unterleibsschmerzen kommen. Mumps dauert wie Masern max. 2 Wochen an.
Röteln beginnen ebenfalls mit einem der Erkältung ähnlichen Vorstadium: Ihr Kind fühlt sich unwohl, es hat Fieber und Kopfweh, entzündete Augen, Husten und vielleicht auch Appetitlosigkeit. Im Gegensatz zu Masern erleiden die Erkrankten einen hellroten und feiner fleckigen Hautausschlag, der nicht zusammenfließt. Werden Sie aufmerksam bei Schwellungen der Lymphknoten am Hals ihres Kindes, hinter den Ohren und am Hinterkopf. Röteln dauern bis zu 12 Tagen.
Scharlach setzt oft aus heiterem Himmel ein und mit hohem Fieber über 39°C! Der Hals schmerzt, Übelkeit und Schüttelfrost begleiten das Fieber. Die Zunge ist zunächst weiß belegt, nach ca. 3 Tagen in einem Himbeerrotton gefärbt. Ein roter, samtartiger Hautausschlag breitet sich am Körper aus, zunächst meist in den Achselhöhlen, dann am Hals, in den Leistenbeugen und an der Innenseite der Oberschenkel, später am gesamten Körper mit den typischen Aussparungen im Bereich des Mundes. Scharlach dauert länger als die zuvor genannten Erkrankungen, 3-6 Wochen, mit Antibiotika 1-2 Wochen.
Windpocken setzten ebenfalls grippeähnlich ein mit leichtem Fieber, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Nach 3-4 Tagen breitet sich, wie bei Masern, ein roter Hautausschlag auf dem Körper aus, verbunden mit einem starken Juckreiz. Die roten Flecken sind flach und werden nach etwa einem Tag zu weichen, klaren Bläschen, die nach 3-7 Tagen verschorfen. Nach 1-2 Wochen sollte die Krankheit ausgestanden sein.
Keuchhusten beginnt ebenfalls mit den typischen Symptomen einer Erkältung (Schnupfen, Husten, Racheninfektion, Fieber und gerötete Augen). Die Hustenkrämpfe verschlimmern sich mit der Zeit und können noch Monate nach der akuten Krankheitsphase (6-8 Wochen) andauern.

Bildquelle: Athomass & by-studio – Fotolia

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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