„Mama, du bist soooo peinlich!“ – Bin ich meinem Kind wirklich unangenehm?

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Mama, du bist peinlich
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Morgens vor der Schule: Ein paar gute Wünsche für den Tag, eine Umarmung, vielleicht noch ein Küsschen, und dann bekommt die vermeintlich beste Mama der Welt zu hören: „Lass das, Du bist peinlich!“ Die Situation erlebt eigentlich jede Mutter früher oder später, und je älter die Kinder werden, desto öfter scheint der Satz in der Luft zu hängen.

Kinder werden älter und grenzen sich ab

Wenn der Nachwuchs größer wird, ist die Nähe zu den Eltern nicht mehr so angesagt. Es gehört zum natürlichen Entwicklungsprozess der Kinder, sich abzugrenzen und die Elterngeneration in ihrem Verhalten, ihren Ansichten und Ratschlägen abzulehnen. Hinzu kommt, dass vor allem Jungen ab etwa Vorschulalter elterliche Zärtlichkeiten vor Freunden sichtlich unangenehm sind, die kleinen Herren fühlen sich zu groß und zu cool dafür. Das gilt oft genug nur für die Öffentlichkeit, zu Hause darf selbstverständlich weiterhin gekuschelt werden – aber bitte nicht den Kumpels verraten!

Eltern sollten diese selbstgesetzten Grenzen ihrer Kinder nicht nur wahrnehmen, sondern respektieren. Überlegen Sie mal zurück: Wie war das in Ihrer Kindheit? Und wie würden Sie sich heute fühlen, wenn Ihre Mutter sie morgens zur Arbeit bringt und dann womöglich den Klassiker bringt und erst einmal Ihre Krawatte zurecht rückt? Peinlich, nicht?

Video: „Mama, du bist PEINLICH!“: Unangenehme Elternsituationen – Teens & Family

Grenzen sind nötig, um sich selbst zu finden

PeinlichkeitenEs ist ganz gut, wenn Kinder sich von den Eltern abgrenzen und langsam, Schritt für Schritt, eigene Vorstellungen davon entwickeln, wer und wie sie sein wollen. Das ist ein langsamer Prozess, der beim Abschiedsküsschen morgens vor der Schule oder dem Kindergarten beginnt, aber beim gemeinsamen Freibadbesuch noch lange nicht aufhört. Wenn Kinder in die Pubertät kommen, wird es arg schwierig für Eltern: Alles ist plötzlich blamabel, peinlich, unangebracht.

Je pubertierender sie sind, desto „cooler“ müssen sie sein – das ist normal. Vor allem alles, was mit Körperlichkeit, Sexualität und Erwachsensein zu tun hat, wird abgelehnt. Da kann der Anblick der Mutter im Bikini so peinlich sein, dass der gemeinsame Schwimmbadbesuch rundweg abgelehnt wird. Sauna mit den Eltern ist so peinlich, dass man nicht einmal daran denken mag, und plötzlich wäscht der junge Mann sogar seine Boxershorts und seine Bettwäsche selbst. Mütter sollten es gelassen sehen, denn die Abgrenzung rührt daher, dass sich der Nachwuchs der eigenen Körperlichkeit und allem, was damit verbunden ist, bewusst wird.

Respektvollen Abstand halten, aber trotzdem Brücken bauen

Erziehungsarbeit ist in dieser Situation gar nicht so einfach. Der lange gemeinsam ausgeübte Sport fehlt vermutlich („Mama, Du bist peinlich beim Volleyball-Spielen!“), innige Gespräche finden nicht mehr statt, die Distanz wächst. Das müssen Eltern akzeptieren. Vielleicht finden sie in dieser auch für die Jugendlichen schweren Zeit eine andere Form des Zugangs. Das ist insofern wünschenswert, als dass sich das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern nach abgeschlossener Pubertät und der damit einhergehenden Neufindung oft ganz neu entwickelt und Nähe wieder gefragt ist.

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Es ist dann allerdings eine andere Nähe, die eher der engen Beziehung in erwachsenen Freundschaften und einer Mentorenschaft gleicht. Wer zuviel Nähe aufzwingt, wo keine Nähe gewünscht ist, oder an der Kinder-Eltern-Beziehung festhält, riskiert letzten Endes einen Bruch im Verhältnis zueinander.

Nicht Sie, sondern Ihr Verhalten!

Natürlich ist nie die Mama peinlich, sondern das von ihr an den Tag gelegte Verhalten. Die meisten Kinder und Jugendlichen können sprachlich nicht genau unterscheiden, ob sie den Menschen oder dessen/deren Verhalten meinen. Das ist bei Erwachsenen schließlich nicht anders: Jede Mutter sagt oder denkt irgendwann einmal „Du nervst!“ und meint doch tatsächlich „Ich mag Dich, aber Dein Verhalten geht mir gerade auf den Keks!“. Wer sich schwertut, die gemeinte Botschaft zwischen den Worten herauszuhören, sollte vielleicht ein klares Wort in Sachen sprachliche Akkuratesse sprechen.

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Bildquelle: ©iStock.com/Piotr Marcinski, ©iStock.com/CREATISTA

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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