Krippe oder Tagesmutter? Kinderbetreuungsmodelle im Vergleich

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Heutzutage erreichen berufstätige Eltern immer früher den Punkt, sich für ein adäquates Kinderbetreuungsmodell entscheiden zu müssen. Oftmals stellt allein der Gedanke, dass das eigene Kind bereits in jungen Jahren für mehrere Stunden täglich in fremde Hände gegeben wird, für Mütter und Väter gleichermaßen eine Herausforderung dar.

Pädagogische Qualität als Schlüsselkriterium

Dies ist vor allem der Problematik geschuldet, dass Eltern unter Versagensängsten bei der kindlichen Erziehung leiden oder zu großen Respekt vor Fehlentscheidungen haben, die in der Konsequenz das Kindeswohl beeinträchtigen könnten. Wenn Eltern sich mit diesem Gedanken erst einmal arrangiert haben, verbleibt dennoch die Frage, welches Kinderbetreuungsmodell das richtige ist. Pauschal kann keine Antwort auf diese Frage gegeben werden. Vor allem in Fachkreisen herrscht ein allgemeiner Konsens darüber, dass weniger die Form der Betreuung, sondern vielmehr deren pädagogische Qualität das Schlüsselkriterium darstellt. Angebote zu schaffen, die diesem Anspruch gerecht werden, sind gegenwärtiges Ziel der Familienpolitik. Beispielsweise soll mit der frühkindlichen Bildung der Weg für eine echte Chancengleichheit geebnet werden.

Entscheidende Kriterien – Qualitätsanspruch der Betreuung operationalisieren

  • Bindungspersonen: Gerade im frühkindlichen Alter sind enge Bezugspersonen wichtig, die dem Kind sowohl Liebe und Zuneigung entgegenbringen, als auch für ihr körperliches Wohl Sorge tragen. Neben den Eltern und Verwandten können auch konstante Betreuungspersonen als Bindungspersonen auftreten.
  • Sprachbad: Es ist wichtig, dass die Betreuungspersonen die Kinder gezielt ansprechen, ihre Aktivitäten mit Worten begleiten und sich gleichzeitig auf ihre begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten einstellen.
  • Vielseitige Förderung: Dazu zählen verschiedene Sinneserfahrungen, selbstständige Bewegungserfahrung drinnen und draußen, kreative Betätigung, kognitive Entwicklung sowie soziale Kontakte.
  • Freispiel: Dies beinhaltet die Beschäftigung mit altersgemäßen Materialien – entweder alleine oder mit wenigen anderen Kindern.

In Anbetracht dessen zeigt sich, dass sowohl das Modell Krippe als auch das Modell Tagesmutter prinzipiell diesen Anforderungen gerecht werden kann. Die Unterschiede liegen vielmehr in den angebotenen Betreuungszeiten, der Anzahl der Betreuer und in der Gruppengröße:

 

Kinderkrippe


Tagesmutter


 Betreuungs-zeiten

 + konstant– nicht individuell anpassbar  + flexibel– Ausfall bei Krankheit oder Urlaub der Tagesmutter

 Anzahl der Betreuer

+ mind. zwei pro Gruppe
+ viele Ansprechpartner für das Kind– das Kind kann sich der Aufmerksamkeit der Betreuer entziehen
 + individuelle und intensive Zuwendung
– nur eine Bezugsperson

 Gruppengröße

 + Vielfalt durch große, altersgemischte Gruppen– bei schüchternen, zurückgezogenen Kindern kann es zu Überforderung kommen  + familiäres Umfeld durch kleine Gruppen
– Kind lernt nicht, in großen Gruppen mit Kindern gleichen Alters zu agieren

Video zum Thema: Streitthema Kinderkrippe | W wie Wissen | DAS ERSTE

Intesivere Zuwendung kontra Sozialisierung

Während in Kinderkrippen demnach häufig viele Kinder in großen, altersgemischten Gruppen gleichzeitig betreut werden, bietet die Tagespflege in den meisten Fällen intensivere Zuwendung in kleineren Gruppen, flexiblere Betreuungszeiten und ein familiäres Umfeld.
Die Betreuungsmodelle unterscheiden sich jedoch auch bezüglich der Ressourcen und dem Qualitätsmanagement. Die Tagespflege weist oftmals Schwächen bei der Ausstattung mit Spielsachen und der pädagogischen Aus- und Fortbildung der Betreuer auf. Zudem steht sie nach Erteilung der Pflegeerlaubnis nicht unter ständiger staatlicher Kontrolle. Es liegt aber in eigenem Ermessen der Tagesmütter, inwieweit sie Energie in Weiterbildungen und neue Fördermaterialien und Spielsachen investieren. Daher sollten Eltern individuell die Angebote am eigenen Standort sondieren und das Betreuungsmodell wählen, welches besser zu ihnen passt.

Mädchen Ratgeber

Ein wertvoller Praxistipp für alle Eltern:

  • Um sich von der Qualität ausgewählter Angebote selbst zu überzeugen, lohnt sich eine Hospitanz für die Dauer einiger Stunden.
  • Je jünger das Kind ist, desto kürzer sollte die wöchentliche Betreuungszeit ausfallen.

So können Eltern vor Ort genau beobachten, wie die Abläufe und die Betreuung in der Kinderkrippe gehandhabt werden oder was in der Wohnung der Tagesmutter passiert und ob die Kinder sich auch wirklich wohlfühlen.
Quelle Foto: © motorradcbr – Fotolia.com

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

1 comment

  1. Ann-Marie 28 August, 2013 at 20:18 Antworten

    Ich war sowohl in der Krippe als auch bei der Tagesmutter. Meiner Meinung nach ist beides nicht verkehrt: Bei der Tagesmutter hatte ich bessere persönliche Entfaltung erlebt, da ich mich mit ihr mehr unterhalten habe und individuell gefördert wurde.

    Danach war ich in der Krippe. Ich finde es wichtig, dass ein Kind seine sozialen Kompetenzen (z.B. Durchsetzungsvermögen, Kommunikation und Konfliktbeweltigung) in einer Gemeinschaft lernt… das ist ein fortlaufender Prozess.

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