Die zwei größten Mythen rund um Verhütung in der Stillzeit

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Familie auf einer Wiese
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Der erste Stress nach der Geburt ist überstanden und das so lange ersehnte Glück zu dritt ist endlich da. Obwohl das Baby anfangs den gesamten Alltag der Familie auf den Kopf stellt und sich alles nur um den kleinen Nachwuchs dreht, kehrt die Lust bei jungen Eltern früher oder später zurück.

Viele Paare fragen sich deshalb, welche Verhütungsmethode sich nach der Geburt und während der Stillzeit am besten eignet. Welches Mittel ist das sicherste? Viele Mütter sind der Überzeugung, dass sie gar nicht verhüten brauchen, denn das Stillen ist angeblich ein sicherer Schutz vor einer ungeplanten Schwangerschaft. Aber stimmt das eigentlich?

Das Thema Verhütung in der Stillzeit ist heutzutage immer noch mit vielen Mythen und Irrtümern belegt, die hartnäckig von Generationen zu Generation weitergetragen werden. Wir präsentieren Ihnen die zwei berühmtesten Mythen rund um das Thema Verhütung in der Stillzeit.

Mythos #1: Stillen stützt vor einer erneuten Schwangerschaft

Teilweise falsch! Die Wahrheit lautet: nur unter bestimmten Umständen bietet das Stillen einen sicheren Empfängnisschutz.

Bei jedem Stillen wird das Hormon Prolaktin (auch Laktotropin genannt) ausgeschüttet, das bei der Frau die Milchbildung in der Brust anregt. Unter ganz bestimmten Voraussetzungen kann das Stillen den Eisprung der jungen Mutter erschweren und so eine erneute Schwangerschaft verhindern. Zu diesen Umständen gehören unter anderem:

• (sehr) häufiges Stillen (mindestens sechsmal innerhalb von 24 Stunden (Tag und Nacht), insgesamt 80 Minuten täglich)
• es ist nach der Geburt noch keine Monatsblutung aufgetreten (der Wochenfluss zählt nicht)
• das Baby darf nicht älter als sechs Monate sein
• es ist keine Zufütterung bei gestillten Säuglingen erlaubt

Mutter mit Baby beim stillenDie sogenannte Voll-Stillen-Methode bietet Studien zufolge zwar nahezu einen 98% sicheren Empfängnisschutz, dennoch können die beschriebenen Voraussetzungen nicht von jeder Mutter erfüllt werden. Laut einer 2000 veröffentlichten Studie „Stillen und Säuglingsernährung“ (Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Ernährung) stillen 73% der befragten Mütter. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das Anlegen des Nachwuchses an die Brust häufig genug geschieht, um mithilfe des erhöhten Prolaktin-Spiegels den Eisprung unterdrücken zu können. Die zweite Voraussetzung dürfte auch nicht so einwandfrei erfüllt werden, denn ein Eisprung findet häufig schon statt, bevor die Menstruation wieder einsetzt.

Dementsprechend sollten sich junge Eltern keinesfalls auf diese Verhütungsmethode verlassen, wenn sie sich einen sicheren Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft wünschen.

Video: Verhütung nach der Geburt

Mythos #2: Keine hormonelle Verhütung in der Stillzeit

Ebenfalls teilweise falsch! Die Wahrheit lautet: die Form der Hormone ist entscheidend.

Mädchen mit der PilleVon der Einnahme kombinierter Antibabypillen, welche eine Hormonkombination aus Östrogen und Gestagene beinhaltet, wird während der Stillzeit abgeraten, da das weibliche Sexualhormon Östrogen (auch Estrogene genannt) die Milchbildung erschweren kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass der gestillte Säugling eine zu hohe Hormondosierung mit der Muttermilch aufnimmt, was Auswirkungen auf seine körperliche Entwicklung haben kann.

Auch der Vaginalring und das Verhütungspflaster, die aus den beiden weiblichen Sexualhormonen bestehen, sind für Stillende ungeeignet.

Östrogenfreie Verhütungspräparate enthalten nur synthetisch hergestellte Gestagene. Bildung, Menge und Qualität der Muttermilch werden dabei nicht beeinflusst und aus ärztlicher Sicht sind Gelbkörperhormone unbedenklich für das Baby. Folgende hormonelle Methoden bieten sich als Alternative zum Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft während der Stillzeit an:

• Minipille mit Pearl Index von 0,1-0,8
• Dreimonatsspritze mit Pearl Index von 0,3-0,88
• Hormonspirale mit Pearl Index von 0,16
• Hormonimplantat mit Pearl Index von 0,8

Mädchen Ratgeber
Gestagenhaltige Verhütungsmethoden bieten beinahe einen 100% sicheren Empfängnisschutz, allerdings wie bei den meisten Arzneimitteln kann es bei der Anwendung zu Nebenwirkungen kommen. Dazu gehören unter anderem (leichte) Kopfschmerzen, reduzierte Libido, Wassereinlagerungen, Akne, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen sowie Durchbruchblutungen. Sprechen Sie daher in jedem Fall mit Ihrem Arzt, bevor Sie sich für eine hormonelle Verhütungsmethode in Ihrer Stillzeit entscheiden.

Quellen:
http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=269
http://www.healthexpress.eu/de/verhuetungsmittel.html
http://www.netdoktor.de/Gesund-Leben/Verhuetung/Ratgeber/Verhuetung-in-der-Stillzeit-3984.html

Bildquellen:
Oben rechts: © Halfpoint ⎢shutterstock.com
Mitte links: © Sokolova Maryna ⎢shutterstock.com
Unten rechts: © Image Point Fr ⎢shutterstock.com

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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