Das Märchen mit dem Weihnachtsmann: Wann sollte aufgeklärt werden?

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Kind an Weihnachten
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Weihnachten birgt einen Zauber in sich, der nur in ganz wenigen anderen jährlichen Festen enthalten ist. Rund um Weihnachtskrippe und Engel, Sankt Nikolaus und natürlich den Weihnachtsmann mit seinem Rentierschlitten haben sich viele Erzählungen und Legenden gebildet, die Kinderaugen zum Leuchten bringen. Aber irgendwann sollte man dann doch mit der Wahrheit herausrücken – oder nicht?

Märchen und Mythen sind wichtig für die Entwicklung

Wir bringen Kinder bei, dass man nicht lügen darf, dass man immer und unbedingt die Wahrheit sagen muss, und dass es der Respekt gegenüber Mitmenschen verlangt, keine Räuberpistolen für bahre Münze zu verkaufen. Dennoch sind viele Dinge im Alltag verklärt: Kinder hören von der Zahnfee, vom Osterhasen, vom Christkind, schauen Bücher und Filme mit sprechenden Tieren und lebendig gewordenen Spielzeugen an. Das scheint ein Widerspruch zu sein.

Tatsächlich aber brauchen Menschen diese Fantasie, um im Alltag Dinge zu erklären und Unerklärliches zu akzeptieren. Selbst Erwachsene genießen den Zauber von Märchen, Legenden und Geschichten. Warum sonst würde uns beim Gedanken an Freitag, den 13., so mau?

Video: Waiting for Santa Claus – Auf dem Berliner Weihnachtsmann warten

Kinder stellen Fragen, wenn sie selbst so weit sind

Generell kann man Kinder natürlich am Ende der Kindergartenzeit „aufklären“ und ihnen jeglichen Glauben an übernatürliche Wesen und Zaubereien ausreden. Interessanterweise verteidigen die meisten Kinder aber ihre Zauberwesen, Helden und Weihnachtsmänner. Sie wollen nicht, dass sie als Geschichten und Lügen enttarnt werden. Besser ist es, wenn Eltern warten, bis die Kinder von alleine anfangen zu zweifeln.

Oft genug ist die Logistik der Auslöser: Wie kommt der dicke Weihnachtsmann eigentlich durch den Kamin, der in den meisten modernen Wohnungen doch gar keinen Ausgang in der Küche mehr hat? Und vor allem: Wie schafft der das in einer einzigen Nacht auf der ganzen Welt? Wie oft muss der denn seinen Schlitten in der Werkstatt neu beladen, weil die Rentiere nicht so viel auf einmal ziehen können? Wenn Fragen gestellt werden, muss man schließlich nicht weiter lügen, sondern kann mit der Wahrheit herausrücken. Im Idealfall wird dann auch erklärt, warum der Weihnachtsmann so eine nette Gestalt ist.

Was, wenn das Kind nicht fragt?

Auch das gibt es. Manche Kinder handeln das Thema Weihnachtsmann ganz alleine für sich oder mit Freunden aus. Die Geschichte vom Coca-Cola Werbemann im roten Mantel, der in den 1950er Jahren zum Weihnachtsmann wurde, ist immerhin bekannt. Kinderzeitschriften, Wissensmagazine für Grundschüler/-innen und so manche Lehrkraft in der Schule thematisieren das. Es ist also völlig in Ordnung und eigentlich schon ein wichtiger Schritt in Richtung Erwachsenwerden, wenn Kinder gar nicht nach dem Weihnachtsmann fragen, sondern die Eltern (zugegeben: ziemlich hart) mit den Tatsachen konfrontieren.

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Da können dann so Fragen kommen wie: „Mama, darf ich Dir Weihnachtsengel dieses Jahr beim Baum schmücken helfen? Du musst das nicht machen, wenn ich schon im Bett bin!“ Das ist manchmal ein richtiger Schock für die Eltern, aber es zeigt eben auch, dass die Kinder Verantwortung in der Familie übernehmen wollen und bei der Gestaltung des Weihnachtsfestes aktiv mithelfen wollen.

Was zählt, sind die Familientraditionen

Was Familien zusammenhält, ist das, was es nur in der Familie und mit der Familie gibt. In manchen Familien bringt eben der Weihnachtsmann die Geschenke, in anderen ist es das Christkind. Wichtig ist nicht, wer das macht. Wichtig ist, dass die Familie ihre ganz eigene Familientradition als Kulturgut betrachtet und lebt. Erst dann, wenn Weihnachten zu einer reinen Kauf- und Verkaufsgelegenheit wird, ist es wirklich bedenklich. Sollten Sie versucht sein, Ihre Kinder oder Enkel über den Weihnachtsmann aufzuklären, fragen Sie die Kinder doch einfach einmal ganz neutral, was sie davon halten. Und lassen Sie sich anstecken vom weihnachtlichen Zauber.

Titelbild: © istock.com – evgenyatamanenko

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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