Schreibabys – Eltern sind nicht hilflos

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Als Mutter von zwei Töchtern, von denen vor allem die Erste ein ausgesprochenes Schreibaby war, habe ich persönlich viele Erfahrungen mit diesem Thema gesammelt. Seit der Veröffentlichung meines E-Books habe ich viele Kontakte zu Müttern und Vätern geknüpft, die verzweifelt einem ständig schreienden Baby gegenüberstehen. Mit meinen Erfahrungen, Ratschlägen und Tipps versuche ich, Sie in Ihrem Alltag zu unterstützen.

Vorsicht mit vielen gutgemeinten Ratschlägen

Allen Eltern, die Schreibaby haben, sei geraten, die vielen Ratschläge, die sie von allen Seiten erhalten, mit größter Vorsicht zu genießen. Leider werden Eltern mit einem ständig schreienden Baby oft für zu unerfahren und unfähig gehalten. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass auch Eltern in Großfamilien plötzlich vor der Herausforderung stehen können, ein Schreibaby zu haben.

Ich kenne eine Mutter, die sechs Kinder geboren hat und deren siebtes Kind ein solches Baby war. Sie stand der Situation ebenso hilflos gegenüber wie eine 20-jährige Mutter, die gerade ihr erstes Kind geboren hat. Besonders vorsichtig sollten Eltern mit Ratschlägen sein, die von Menschen gegeben werden, deren Kinder längst erwachsen sind. Sie sind selbst mit Vorstellungen des Umgangs mit Säuglingen groß geworden, die heute längst widerlegt sind, dem Kind sogar nachhaltigen Schaden zufügen können.

Dazu gehört die überholten Vorstellungen, wie „Erziehung beginnt am ersten Tag“, „schreien lassen bis das Baby müde wird“, „nicht verwöhnen (herumtragen, oft stillen, bei den Eltern schlafen usw.), „alle vier Stunden stillen, nachts nicht, für einen Tag-Nacht-Rhythmus“, „Drei-Monatskoliken, also nur Bauchschmerzen“ und mehr. Kinderärzte und Psychologen können darüber heute nur den Kopf schütteln.

Erfahrungen von Eltern stehen dem ebenso entgegen, wie der natürliche Umgang mit einem Baby.

Historisch ist nämlich viel Körpernähe für das Baby notwendig und ganz viel Zuwendung. Die alten Tipps beziehen sich auf Erziehungsvorstellungen einiger Theoretiker, die leider lange die mitteleuropäische Erziehung und Säuglingspflege prägten. Solche Ratschläge gehören einfach nur auf den Müll der Geschichte.

Tipps für den richtigen Umgang mit Schreibabys können auf unterschiedlichen Wegen eingeholt werden.

Sinnvoll und hilfreich können Tipps von

  • Müttern und Vätern sein, die selbst Schreibabys hatten,
  • von Medizinern aus den Schreiambulanzen,
  • Kinderärzten und
  • Psychologen, die sich mit dem Phänomen des exzessiven Schreiens befassen.

Video: Eltern zwischen Freude und Erschöpfung

Ursachen für das Schreien – eine kleine Odyssee

Babys, die schreien, wollen etwas oder sind mit etwas unzufrieden oder überfordert. Die Ursache für ständiges Schreien zu finden, wird für viele Eltern eine Odyssee. Zuerst müssen organische Ursachen durch eine medizinische Untersuchung ausgeschlossen werden. Bei den wenigsten Schreibabys sind allerdings solche Ursachen zu finden. Es bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach den Ursachen zu begeben und gleichzeitig alles auszuprobieren, womit das Baby zu beruhigen sein kann.

Mädchen Ratgeber
Die Schreibabys sind in der Regel Säuglinge, die eine besonders hohe Sensibilität gegenüber allen äußeren Einflüssen haben. Hinzu kommt bei ihnen, dass sie noch nicht die kleinen Babytricks gefunden haben, sich selbst zu beruhigen (Daumen, abschalten). Das führt dann auch zu den Einschlafschwierigkeiten, die für diese Babys typisch sind.

Ursachen für Schreianfälle

  • Geräusche
  • Temperatur
  • Lichtverhältnisse
  • Baby fühlt sich im Babybett allein gelassen

Schreien lässt sich oft mit Angstgefühlen bei Ungewohntem erklären. Ungewohnt ist aber erst einmal fast alles, was dem Baby begegnet, außer den gewohnten Stimmen, dem mütterlichen Herzschlag und enger Kontakt. Wird das Baby häufig gestillt, dann sind Hunger und Durst keine Ursache. Die meisten Babys lassen sich gut durch körperliche Nähe trösten. Der Körperkontakt wirkt beruhigend, auch wenn das Baby anfangs noch weiter schreit.

So wichtig es ist, das Baby gut kennenzulernen und viele beruhigende Dinge auszuprobieren, es sollte nicht zu viel in zu kurzer Zeit hintereinander probiert werden. Das verstärkt nur die Unruhe und Unsicherheit des Babys.

Ein paar Kleinigkeiten können bei der Ursachensuche noch mit einbezogen werden.

Weshalb Babys außerdem Weinanfälle bekommen:

  • Schreibabys fehlen Möglichkeiten der Selbstberuhigung, der Schnuller kann als Ersatz angeboten werden (eventuell anfangs leicht am Mund festhalten).
  • Zu weite Kleidung kann Falten werfen, die stören, zu enge Kleidung kann zu Hautjucken und zu Hautirritationen (auch ohne Rötung) führen.
  • Ein kleiner kuscheliger Stubenwagen oder die gute alte Wiege sind oft besser als das vom Baby als zu weit und zu groß empfundene Bettchen.
  • Wirklich toll und oft hilfreich zum Schlafen: Ein Hängetuch, dass an einem Deckenhaken befestigt wird. Das leichte Schaukeln beruhigt, der Stoff schmiegt sich ums Baby (Mutterleiberinnerung), wirkt ähnlich wie Pucken gegen die spontanen wach haltenden Armbewegungen. www.hilfe-mein-baby-schreit.de Baby pucken
  • Abrupte Geräusche stören und ängstigen, gleichmäßige, leise Geräusche beruhigen, also auf unregelmäßige Geräusche achten und möglichst solche vermeiden.

Was sich häufig bewährt, sind gleichbleibende Rituale, wenn das Baby anhaltend schreit.

Hilfreiche Rituale für Ihr Schreibaby:

  • Herumtragen, schaukeln, immer die gleiche Melodie summen
  • Schaukeln im leicht abgedunkelten Zimmer
  • Wiederholte Streichelmassagen – die Bewegungen ausprobieren, die das Baby besonders mag
  • Abends nach und nach die Beleuchtung dämmen bis zum kleinen Nachtlicht, gleichzeitig leise Schlafmelodie und Streicheln

Rituale sind verlässlich und ihre Wiederholung gibt Sicherheit und innere Ruhe für das Baby. Sie wirken natürlich nicht sofort. Bei solchen Ritualen bringt die regelmäßige Durchführung den Erfolg. Das Vollziehen von solchen Ritualen wirkt sich übrigens nicht nur beruhigend auf das Baby aus, sondern wirkt auch auf das innere Gleichgewicht desjenigen, der sie mit dem Baby vollzieht.

Der beste Zeitpunkt, um das Schreibaby aufzunehmen

Ein typisches Schreibaby verfällt nach den ersten leiseren Tönen gewöhnlich sehr schnell ins laute Schreien. Dennoch ist es ratsam, die ersten Töne erst einmal abzuwarten und nicht beim ersten Pieps nach dem Baby zu greifen.

Manchmal beruhigt sich das Kind wieder und schläft weiter, dann würde man durch das Hochnehmen den Schlaf unterbrechen. Setzt das Schreien ein, sollte das Baby allerdings hochgenommen und beruhigt werden. Den besten Zeitpunkt finden Eltern sehr schnell, wenn sie die Schreimelodie des Babys beobachten. Auf keinen Fall soll sich ein Baby erst so richtig „einschreien“, dann ist das Beruhigen nämlich doppelt schwer.

Ist für Eltern mit Schreibabys die Schreiambulanz immer die richtige Adresse?

Die Schreiambulanzen in Deutschland sind sehr hilfreiche Einrichtungen. Dennoch müssen sich nicht alle Mütter und Väter mit einem Schreibaby gleich dort einen Termin geben lassen.

Ob eine Schreiambulanz in Anspruch genommen wird, sollte ganz individuell entschieden werden. Das wird auch davon abhängen, wie weit die Fahrt zur nächsten Anlaufstelle dieser Art ist. Längere Autofahrten können mit Schreibabys sehr stressig sein, sowohl für das Baby wie auch für die Eltern. Unbedingt in Anspruch nehmen sollten Eltern die Schreiambulanz, wenn

  • sich Eltern restlos überfordert fühlen
  • Eltern fürchten, die Kontrolle zu verlieren
  • Eltern sich noch ausgelaugt, erschöpft, nervös und unruhig fühlen
  • Eltern noch sehr jung oder Mütter mit einem Schreibaby alleinerziehend sind

In einer Schreiambulanz stehen den Müttern, auch den Vätern, medizinische und psychologische Fachkräfte zur Seite. Hier werden den Eltern hilfreiche Tipps gegeben, wie sich ein Schreibaby beruhigen lässt, wo die Ursachen liegen können, was verändert und angewendet werden kann. Solche Techniken, wie die beruhigende Streichelmassage werden mit den Eltern geduldig erprobt und geübt.

Es darf nie vergessen werden, dass sich Erschöpfung, Unruhe, Gereiztheit – besonders der Mütter – direkt auf das Baby übertragen. Es verfügt über feinste Antennen, die auf Gefühle, Ängste und emotionale Schwankungen reagieren.

Daher sollten Eltern nicht warten bis „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, also sie selbst überhaupt nicht mehr dem Schreibaby zurechtkommen.

Versagen alle Beruhigungstipps von hilfe-mein-baby-schreit.de für das Schreibaby, scheint die Situation zu schwierig, dann ist der Termin bei einer Schreiambulanz eine großartige Möglichkeit, um Hilfe zu erhalten.

Titelbild: © istock.com – SanyaSM

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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