Neue Studie belegt systematische Benachteiligung von Alleinerziehenden

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Mutter mit Kind auf dem Arm
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Die Situation von Alleinerziehenden ist schwierig, denn ein Kind ohne Mama oder Papa aufwachsen zu lassen, das setzt die Erziehenden so mancher Kritik aus. Dass dann noch Betreuung und Beruf schwer unter einen Hut zu kriegen sind, versteht sich von selbst. Finanzielle Schwierigkeiten kommen also in der ohnehin belastenden Situation noch hinzu. Das liest man hin und wieder in der Zeitung, kennt es so auch aus dem Bekanntenkreis und irgendwie sagt auch der Verstand, dass das so ganz logisch ist. Statistische Erhebungen dazu fehlten bislang – jetzt werden Studien nachgereicht, die die Bertelsmann Stiftung durchgeführt hat.

Mehr Alleinerziehende als je zuvor

Dass die Zahl der Familien, in denen Kind/-er mit nur einem Elternteil zusammenleben, ständig steigt, ist nicht neu. Statistische Erhebungen zeigen, dass die Anzahl seit 1996 von 1.304.000 Ein-Eltern-Familien auf 1.607.000 Ein-Eltern-Familien gestiegen ist.

Da gleichzeitig immer mehr Menschen Single bleiben und keine Familie gründen (Rückgang von 9.429.000 Familien 1996 auf 8.061.000 Familien 2012), bedeutet das, dass nun etwa ein Fünftel aller Familien davon betroffen sind, Tendenz weiterhin steigend, sowohl im prozentualen Anteil der Familien als auch in der puren Anzahl.

Es scheint, als habe nicht nur das Modell von drei Generationen unter einem Dach inzwischen ausgedient, sondern als sei die Kernfamilie von Vater und Mutter mit eigenen Kindern auch in Auflösung begriffen, gesellschaftlich gesehen. Das hat Nachteile – für Kinder wie Eltern.

Belastende finanzielle Situation bei Alleinerziehenden

Dass es nicht einfach ist, ein Kind oder mehrere Kinder zu erziehen und gleichzeitig in Vollzeit zu arbeiten, das versteht sich von selbst. Selten sind Großeltern oder Freunde vorhanden, die die Kinderbetreuung übernehmen, staatliche, städtische und private Betreuungsangebote sind erstens kostenpflichtig und zweitens aufgrund der Öffnungszeiten nicht immer mit einer Vollzeitbeschäftigung (vor allem im Angestelltenverhältnis) zu vereinbaren.

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Vollbeschäftigung kaum möglich

Eine Vollzeitbeschäftigung ist also in der Regel nicht möglich, solange Kinder da sind, die noch nicht alleine zu Hause bleiben können. Alleinerziehende haben dementsprechend große finanzielle Nachteile, die sich aus der Betreuungssituation ergeben. Nun sollte man meinen, dass es Zuschüsse und andere Hilfen von staatlicher Seite gibt, aber dem ist nicht so.

Benachteiligung durch Unterhaltsrecht und Steuerrecht

Nicht nur die fehlende Unterstützung durch Partner und Staat oder Arbeitgeber machen die Situation schwierig – auch Unterhaltsrecht und Steuerrecht tragen zur finanziellen Benachteiligung bei Alleinerziehender bei. Der höhere Haushaltsfreibetrag für Ein-Eltern-Familien wurde bereits 2003 abgeschafft, seit 2004 werden Ein-Eltern-Familien fast wie Singles besteuert.

2005 wurde ein Kinderzuschlag eingeführt, der Familien helfen soll, aus der Armut zu kommen. Alleinerziehende erhalten ihn in der Regel nicht, denn Kindesunterhalt und Unterhaltsvorschuss werden angerechnet. Das sind Nachteile, die kaum auszugleichen sind, die auch moralisch problematisch sind. Denn Ein-Eltern-Familien sind doch noch Familien, und es kann nicht sein, dass Kinder derart ungleiche Chancen erhalten.

Video: Benachteiligung der Alleinerziehenden

Nahe am Existenzminimum? Meist darunter!

Der Anteil an Ein-Eltern-Familien, die entweder Hartz IV beziehen oder deren Unterhalt zumindest aufgestockt werden muss, ist erschreckend hoch. Die Kindergelderhöhungen der letzten Jahre tun nichts, um die Situation zu erleichtern, denn das Kindergeld wird angerechnet und lässt die staatlichen Zuschüsse entsprechend niedriger ausfallen. Die Bertelsmann Stiftung hat nicht nur die Studien durchgeführt, sondern auch diverse Vorschläge zur Lösung der Situation ausgearbeitet.

Bildquelle: shutterstock.com – Anna Bogush

Über den Autor

Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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