Geschlechtsbewusste Erziehung – Wie entsteht Geschlechtsidentität?

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Mädchen dürfen weinen und Jungen spielen nur mit Autos! Diese angestaubten Ansichten haben in der modernen, geschlechtsbewussten Erziehung keinen Platz mehr. Jedes Kind soll sich frei und gleichberechtigt entwickeln können.

Ist gleichwertig gleichbedeutend mit Gleichmacherei?

In der geschlechtsgerechten Erziehung geht es primär darum, den Jungen und Mädchen die selben Möglichkeiten und Chancen einzuräumen. Dieser Ansatz ist allerdings weit entfernt davon, alle Kinder in eine gleichgeschaltete Erziehungsformel zu pressen. Das Individuum steht im Vordergrund. Was als klassisch weiblich oder männlich gilt, sollte indes keine Rolle spielen. Erweist sich die Tochter talentiert in Sachen Fußball oder Mathematik, ist dies zu unterstützen. Verkleidet sich der Junge gerne und interessiert er sich für Pferde, Bücher und alles was sonst noch eher den Mädchen zugeschrieben wird, sollten Eltern jene Interessen keinesfalls unterbinden.

Mädchen Ratgeber

Die freie Persönlichkeitsentwicklung ist entscheident!

Eine gesunde Psyche verlangt nach einer freien Persönlichkeitsentwicklung. In den meisten Kindergärten und -krippen wird explizit darauf geachtet, dass alle Kinder mit allem spielen dürfen. Die Puppenecke ist ebenso für Jungs da, wie die Bauecke für die Mädchen. Durch diese nicht vorgeschriebenen Schubladen erlangen die Kinder eine bewusstere Geschlechtsidentität. Wer alles ausprobieren und mit jedwedem Spielgerät hantieren darf, findet später eher zu sich selbst.

Wichtig für die Entwicklung: Vielseitige Angebote

In der Erziehung ihres Kindes müssen sich Eltern von althergebrachten Normen freimachen. Einen Jungen ausschließlich in Blau zu kleiden, mit Zügen, Autos und Baukränen zu überschütten und ihm das Spielen mit Puppen zu verbieten schränkt seine Persönlichkeit ein. Greift er aus freien Stücken im Sandkasten zum Bagger, kann diese Leidenschaft gerne unterstützt werden. Spielt er allerdings lieber mit Dingen, die von Mama und Papa für jungenuntypisch gehalten werden und äußern jene dies auch, fühlt sich der Junge brüskiert. In diesem Zusammenhang sind Mädchen seit einigen Jahren klar im Vorteil. Niemand findet es mehr seltsam, dass Mädchen Hosen tragen.

Kramt ein Junge aus der Verkleidungskiste das Prinzessinnenkleid der großen Schwester hervor und stolziert damit durch das Kinderzimmer, wird er nicht selten ermahnt: „Das ist doch nichts für dich!“. Eltern vergessen gerne, dass es sich nur um ein Spiel handelt. Kinder ahmen Erwachsene gerne nach – ganz egal, um wen es sich dabei handelt. Dass sich der Sohnemann mal am Verhalten der Mutter, mal an dem des Vaters orientiert ist völlig normal und gesund. Verbote hingegen erwecken in jedem Sprössling das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

Video: Erziehung, ein Kinderspiel?

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Ohne Bevormundung zum „Ich“

Um eine eigene Geschlechtsidentität zu finden, braucht es weder Vorschriften noch Beeinflussung. Die Entwicklung verläuft am geradlinigsten, wenn die Eltern so wenig als nur irgend möglich eingreifen. Kinder sind selbstständig dazu in der Lage, sich Vorbilder zu suchen und das Verhalten Erwachsener einzuschätzen. Geschlechtsspezifische Rollenbilder bewusst zu hinterfragen und dem Kind den Freiraum zu geben, so zu sein wie er oder sie nun einmal ist, fördert die Entwicklung. Waren es vormals die Mädchen, die durch die gesellschaftlichen Normen benachteiligt wurden, sind es dieser Tage mehr die Jungen, die ins Hintertreffen geraten sind.

Männliche Schüler erreichen durchschnittlich schlechtere Noten als ihre weiblichen Altersgenossen. Das geschieht auch, obwohl beide eigentlich gleichwertige Leistungen erbringen. Wissenschaftlichen Studien zu Folge rührt dieses daher, dass Jungs eher den Unterricht stören und durch aggressives Verhalten auffallen. Chancengleichheit sieht anders aus! Meinen es Eltern, Erzieher und Lehrer mit der Gleichberechtigung der Sprösslinge ernst, darf nicht nur den Mädchen zugestanden werden alles zu dürfen und zu können. In ihrer Individualität sind alle Kinder gleich!

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Titelbild: © LiAndStudio – shutterstock.com

Über den Autor

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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