Gelassenheit und innere Ruhe: Was wir von Buddhisten lernen können

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Buddhismus hilft bei Stress und Unausgeglichenheit
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Ständige Erreichbarkeit, wachsender Erfolgsdruck und weniger Zeit, innezuhalten: Immer mehr Menschen erleben die alltäglichen Anforderungen im Arbeits- und Privatleben als überfordernd und suchen nach einem Weg, dem äußeren Druck mit mehr Gelassenheit begegnen zu können. Der Buddhismus birgt dabei für viele Menschen den verzweifelt gesuchten Ausgleich aus der endlosen Stress-Spirale.

Der Anspruch, sich permanent als erfolgreich, interessant oder attraktiv präsentieren zu müssen, verursacht bei vielen Deutschen eine ununterbrochene Stress-Spirale, der eine wachsende Zahl von Bewältigungs-Angeboten entgegengehalten wird: Autogenes Training, Yoga und Wellness boomen und versprechen Entlastung für das überforderte Selbst. Doch nicht nur die klassischen Entspannungsmethoden finden immer mehr Zulauf, auch die Lehren des Buddhismus zählen stetig mehr Anhänger in westlichen Gesellschaften. Grund genug, sich die fernöstliche Glaubensrichtung einmal genauer anzuschauen: Was ist der Buddhismus und worin besteht seine Faszination?

Video: Scobel extra: Weisheit, das „Ich“ und die Bratwurst Themenwoche Buddhismus

Religion, Philosophie oder Lebensart: Was genau ist Buddhismus?

Buddhismus zählt zu den friedlichsten Religionen der Welt

Göttliche Weisheit und Vollkommenheit des Geistes: laut den Buddhisten trägt jeder Mensch diese übernatürlichen Fähigkeiten bereits in sich. Man muss sich nur selbst besser „zuhören“.

Das wohl wichtigste Charakteristikum des Buddhismus ist gleichzeitig eines seiner größten Unterscheidungsmerkmale zu anderen Weltreligionen: Anders als bei Christentum & Co gibt es im Buddhismus keinen allmächtigen Schöpfergott, dessen Gebote die Gläubigen einhalten müssen. In jedem Menschen ist sie bereits ‚enthalten‘, die göttliche Weisheit und Vollkommenheit des Geistes – im Buddhismus repräsentiert durch Buddha. Namensgeber ist der historische Buddha und Religionsgründer Siddharta Gautama, welcher der Legende nach im 6. Jahrhundert v.Chr. in Nordindien lebte.

Nach seiner Begegnung mit Alter, Krankheit und Tod entsagte er spontan dem Leben im Luxus um nach Lösungen für die Leiden der Menschheit zu suchen. Unter einem Feigenbaum wird er um 540 v.Chr. erleuchtet und damit zum Buddha („der Erwachte“). Buddhist kann sich derjenige nennen, der dem Weg des historischen Buddha nacheifert und sein Leben entsprechend seiner Lehren auszurichten versucht – dies kann jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt seines Lebens frei entscheiden. Buddhismus lässt sich demnach als eine Erfahrungsreligion oder Lebensphilosophie beschreiben, die, anders als eine Glaubensreligion, den Weg der Erleuchtung im Menschen selbst, in seinem täglichen Denken und Handeln sieht.

Befreiung von Leid: Der Weg des Buddhismus

Der Ausgangspunkt für die Ideen des Buddhismus ist so alt, wie die Menschheit selbst: Leben, das bedeutet für den Menschen auch, Verlusterfahrungen zu machen. Zu merken, dass das Festhalten an Dingen, Menschen und Gefühlen Leid mit sich bringt. „Jedes Leben hat sein Maß an Leid“ – so drückt dies der Überlieferung zufolge der historischen Buddha aus. Ursachen sind die Anhaftung an den äußeren Erscheinungen, der ‚Durst‘ des Menschen nach mehr Besitz und seine unstillbare Begierde nach immer mehr. Der Weg der Überwindung dieses Leids führt den Suchenden über die Schulung der Achtsamkeit für seine Gefühle und seines Mitgefühls mit seiner Umgebung. Hinter allem steht die Besinnung auf den Zusammenhang von Ursache und Wirkung, das Karma: So, wie ich in die Welt hinausgehe, so wird man mir begegnen.

Das überforderte Ich: Die westliche Gesellschaft auf der Suche nach Orientierung

Stress, Hektik, Sorgen - Überoptimierung hat ihren Preis

Schneller. Besser. Höher. Weiter. Die westliche Welt hat sich Überoptimierung auf die Fahnen geschrieben. Das Individuum hat darunter zu leiden. Und merkt es meist zu spät.

Keine andere Glaubensrichtung in Deutschland hatte in den vergangenen Jahren einen ähnlich großen Zuwachs wie der Buddhismus: Gab es Anfang der 1970er Jahre hierzulande noch 15 buddhistische Gruppen, so spricht man inzwischen von mehr als 600 unterschiedlichen Schulen und Strömungen. Seit Jahrzehnten wenden sich immer mehr enttäuschte Christen dem Buddhismus zu und auch aus den Reihen der Naturwissenschaften zieht es mehr und mehr Wissenschaftler zu den Lehren Buddhas – die Quantenphysik und der Buddhismus scheinen sich in ihren Ansichten von Ursache und Wirkung mehr zu ähneln, als so mancher überzeugter Atheist glauben mag.

Oft sind es junge, gut ausgebildete Erwachsene, die nach spiritueller Orientierung suchen und sich dafür auch nicht scheuen, beim Aufbau und der Renovierung einer der vielen neu entstehenden Zentren mit Hand an zu legen. Engagement, Eigeninitiative und die gute Tat zählt bei dieser Art der Glaubensrichtung mehr, als das einfache Nachbeten von Glaubenssätzen und das passive Warten auf Erlösung. Gerade in der westlichen Welt, in welcher das wirtschaftliche Diktat des grenzenlosen Wachstums die Menschen an ihre Grenzen treibt, scheint die buddhistische Lehre von der bewussten Loslösung und Hinterfragung von Begierden auf fruchtbaren Boden zu fallen.

Viele Wege zum Ziel: Die buddhistischen Schulen

Am Ende des Pfades Buddhas soll für jeden, der ihm folgt, die Erleuchtung stehen. Wie dieser Weg genau aussieht, darin unterscheiden sich die vor allem im Westen stark voneinander abweichenden Schulen und Strömungen. Westlich orientierte Schulen predigen die Autonomie des Individuums und pflegen einen eher liberalen Umgang mit den ethischen Grundsätzen: Der Konsum von Fleisch steht dort bspw. nicht im Widerspruch zu einem auf Mitgefühl basierenden Umgang mit der Umwelt. Eine Tatsache, die besonders strenger östlich orientierte Schulen kritisch sehen. Für Ausrichtungen wie den Zen-Buddhismus ist der Weg zur Erleuchtung mit anspruchsvollen geistigen und körperlichen Übungen gesäumt – Askese und Enthaltsamkeit gehören unbedingt dazu.

Freiheit statt Zwang, Erfahrung statt Glaube

Die Horizonte der Religion sprengenDie Faszination Buddhismus besteht für den gestressten Westeuropäer auch in seiner relativen Freiheit von äußeren Zwängen: Menschen, die Spiritualität leben, sich jedoch keinen starren Glaubenssätzen unterwerfen möchten, finden im Buddhismus einen alltagspraktischen Weg, dies zu tun. Anders als in Religionen, die einen allmächtigen Schöpfergott an ihrer Spitze sehen, dessen Regeln sich jeder Gläubige zu beugen hat, spielt im Buddhismus auch das Anzweifeln der Lehren Buddhas eine zentrale Rolle. So soll Buddha selbst seinen Jüngern gesagt haben: „Nun vergesst alles, was ich euch gesagt habe und findet es selbst heraus.“

Der Buddhismus scheint – trotz negativen Nachrichten wie den in Myanmar auftretenden Ausschreitungen – eine wachsende Faszination auf immer mehr Menschen auszuüben. Wer sich eingehender mit dem Thema beschäftigen möchte, findet in einschlägigen Foren wie http://buddhismus-forum.forenking.com/ oder auf Blogs wie http://alles-in-buddha.blogspot.de/ einen Einstieg.

Bildquellen: Chonlapoom Banharn, Racamani, Defun und Warren Goldswain – Fotolia

Über den Autor

Nele Groeger

Autorin Nele Groeger schreibt: Als Texterin, Kunststudentin, Kultur-Journalistin und Öffentlichkeitsarbeiterin für die eigens aufgebaute Kunstmesse Part13. Auf Homepages, Blogs, Servietten oder beschlagene Fensterscheiben. Und Katzen mag sie auch.

1 comment

  1. Gelassenheit lernen 9 April, 2015 at 16:58 Antworten

    Ich stimme voll und ganz zu: von den Buddhisten kann man Gelassenheit lernen und wir in Europa sollten uns auf jeden Fall davon inspirieren lassen! Stress ist allgegenwärtig und wenn man weiß, wie man Stress abbauen kann und Gelassenheit lernen kann, macht das Leben einfach viel mehr Spaß 🙂

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