Fitnessstudios für Kinder? Über Sinn und Unsinn

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Kindergesundheit - Sollen Kinder ins Fitnessstudio?
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Besucher in Fitnessstudios werden zunehmend jünger. Nicht nur Jugendliche gehen vermehrt ins Fitnessstudio, mittlerweile gibt es deutschlandweit Angebote zu Sport für Kinder ab 6 Jahren. Wie sinnvoll Kraft- und Konditionstraining für Grundschulkinder ist, bleibt selbst unter Experten ein Streitpunkt.

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Die Zahl der Jugendlichen in den Fitnesscentern häuft sich. Erschrocken stellen Betreiber und Experten fest, dass die Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher in Relation nur geringfügig gestiegen ist. Kurse unter Anleitung, die speziell für Kinder und Teenies mit Übergewicht angeboten werden, sind schlecht besucht. Viel häufiger besuchen Normalgewichtige ein Fitnesscenter und möchten allein trainieren. Bei den Jugendlichen steht nicht mehr die Freude am Sport an erster Stelle. Vermehrt ist gezieltes Training zwecks übertriebener Körpermodellierung der Grund. Jugendliche trainieren oftmals zu hart, um ihren Idolen aus der Fernseh- und Musikbranche zu ähneln. Laut einer Umfrage möchten 40 % der Kinder zwischen 10 und 15 Jahren lieber ein Fitnessstudio besuchen, als einem Sportverein beizutreten.

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Gern nehmen Eltern ihre Kinder mit zum Sport und suchen nach Angeboten speziell für die Kleinen. Gezieltes Training soll schon den Kleinen helfen bewusster zu leben, Freude am Sport zu haben und Übergewicht vorzubeugen. Fitnesscenter mit Eltern-Kind-Angeboten boomen und vermehrt kommen kleine Trainingsgeräte, die speziell für Kinder zwischen 6 und 9 Jahren geeignet sind, zum Einsatz. In bunten Farben und mit niedlichen Namen versehen, sollen sie Kinder dazu animieren gezieltes Krafttraining zu machen. Zulange wurde die Wichtigkeit von Bewegungsangeboten im Sportunterricht vernachlässigt, da wundert es nicht, dass das Fitnesscenter für viele Eltern den einzigen Ausweg bietet. Aktives Training wird immer mehr zum Thema in der Kindergesundheit.

Natürliche Bewegung ist gesünder

Was leider häufig vergessen wird, ist das vorhandene Bewegungsangebot in der Natur. Ein Kletterbaum oder Wanderausflug bietet Kindern ein ausreichendes Maß an Sport für Kinder. Wer regelmäßig draußen spielt, sportlichen Freizeitaktivitäten nachgeht oder Mitglied in einem Sportklub ist, braucht kein Fitnesscenter. Besonders jüngere Kinder verspüren einen ganz natürlichen Bewegungsdrang, den sie selbst durch Spielen und Toben zu befriedigen wissen. Dr. Siewers, Sportmediziner der Universität Kiel, bestätigt, dass natürliche Bewegung für Kinder ein mehr als ausreichendes, gezieltes und altersgerechtes Kräftigungstraining ist. Allein den Schulweg mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen und täglich eine Stunde bewegungsintensives Spielen genügen, um Muskulatur und Haltung zu verbessern und einen Zuwachs an Ausgeglichenheit und Kindergesundheit zu vermerken. Ab der Pubertät empfehlen sich Sportvereine, die einen Leistungsanreiz schaffen und Freude an der Bewegung fördern. Gezieltes Training im Fitnesscenter vermittelt Kindern ein falsches Bild von einer gesunden Lebensweise. Die Freude am Sport kann getrübt werden, wenn Bewegung mit Zwang verbunden ist. Zudem ist es für kleinere Kinder besonders wichtig neue und komplexe Bewegungsabläufe zu trainieren, um Haltungsschäden entgegenzuwirken. Sich wiederholendes und monotones Kraft- oder Ausdauertraining bietet diese Möglichkeit nicht. Der Experte der Deutschen Sporthochschule Köln, Ingo Froböse sieht im Besuch des Fitnesscenters ein weiteres Risiko: schlecht geschulte Trainer und eine Überbelastung der Kinder. Er rät anstelle des Fitnessstudios zu einem Sportverein.

Vorhandene Bewegungsangebote wahrnehmen

Für Kinder und Jugendliche, die an Übergewicht leiden, eignen sich spezielle Kurse oder Gruppenaktivitäten im Fitnesscenter durchaus. In der Gruppe können sie unter Anleitung und mit Freude trainieren. Auch wenn sonst keine Möglichkeiten für Sport gegeben sind, kann das Fitnesscenter einen Ausgleich bieten. Jedoch ist es immer gesünder, wenn Kinder sich frei und natürlich bewegen können. Ein Sportverein, gemeinsame Radtouren, ein Besuch im Freibad oder Wanderungen sowie ausreichend Zeit um im freien zu spielen machen den Besuch im Fitnessstudio überflüssig.

Bildquelle: © normanherauf – Fotolia.com

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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