Fakten zum Night Eating Syndrom, die man kennen sollte

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Frau sitzt Nachts vor dem Kühlschrank
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Viele von uns bekommen nachts noch einmal Hunger – das ist nichts Außergewöhnliches. Bei dem Night Eating Syndrom allerdings herrscht regelmäßiger nächtlicher Heißhunger. Per definitionem kann von dieser Störung die Rede sein, wenn mindestens 25 % der Nahrungsaufnahme des Tages in der Nacht stattfinden und das an mindestens drei Tagen in der Woche an drei oder mehr aufeinander folgenden Monaten.

Typischerweise handelt es sich um kohlenhydratreiche Nahrung

Eine spezialisierte Beratungsstelle beschreibt die Störung folgendermaßen: „Die Patienten verlieren bei ihren nächtlichen Heißhungerattacken vollkommen die Kontrolle über das Essen.“

Menschen, die an dieser Essstörung leiden, müssen in der Nacht aufstehen und etwas essen, sonst können sie nicht mehr weiterschlafen.

Dabei handelt es sich in der Regel um Nahrung mit einer hohen Energiedichte. Wurde in der Nacht viel gegessen, lassen die Betroffenen dafür gern das Frühstück ausfallen.

Auf diese Art beginnt ein Teufelskreis: Die Personen, die an der Essstörung leiden, schütten aufgrund der nächtlichen hohen Kohlenhydratzufuhr viel Insulin aus, was wiederum erneute Heißhunger-Anfälle hervorruft.

Depressionen und Angstzustände sind häufige Begleiter der Störung

Eine nächtliche Nahrungsaufnahme ist auch bei Mitarbeitern im Schichtdienst üblich, doch hat eine in der Nacht stattfindende Mahlzeit gravierende Nachteile für den Hormonhaushalt: Melatonin und Kortisol geraten in eine Schieflage.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Verhalten und auch das Übergewicht – ein häufiger Begleiter, da anders als bei der Bulimie kein Erbrechen oder Abführen erfolgt – stellen für die Betroffenen eine weitere Belastung dar. Bereits am Abend leiden sie an einer schlechten Stimmung.

Häufig machen sie sich berechtigte Sorgen um ihre Figur. Doch nicht alle Menschen, die an dem Syndrom leiden, haben gleichzeitig auch Übergewicht: Die Kilos zu viel sind kein zwingender Begleiter der Erkrankung, da auch normalgewichtige Menschen an der Störung leiden können, wenn sie ohne nächtlichen Essanfall nicht mehr weiterschlafen können.

Video: 10 effektive Methoden, um den nächtlichen Heißhunger zu vermeiden

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1-2 % der Menschen leiden an dieser Essstörung

Die Ursache für diese psychische Störung wird in den Genen vermutet, möglicherweise in einer hormonellen Fehlregulation.

Bei Nachtessern ist das Hormon Ghrelin erhöht, das sich bei Menschen, die die Störung nicht haben, im Normalbereich befindet. Dieses Hormon löst Hungerschübe aus und veranlasst die Betroffenen auf diese Weise zu einer umfangreichen Nahrungszufuhr.

Auch Schicksalsschläge in der Kindheit wie emotionale Vernachlässigung oder Missbrauch finden sich bei den Nachtessern laut Ärzteblatt gehäuft. Geht man mit der Beschreibung dieses Syndroms zu einem Arzt, wird man in der Regel an einen Psychiater überwiesen, der SSRI verschreibt.

Wer eine (weitere) Gewichtszunahme vermeiden möchte, die eine häufige Nebenwirkung von SSRI darstellt, kann den zuständigen Behandler nach alternativen Methoden fragen wie Lichttherapie oder dem Medikament Topiramat (ein Antiepileptikum, das bei dieser Störung ebenfalls helfen kann).

Eine sanfte Therapiemethode sind hingegen Entspannungsübungen. Auch eine Protokollierung des eigenen Essverhaltens kann Sinn machen. Zudem sollte der Betroffene beobachten, an welchen Tagen die Essanfälle besonders schlimm ausfallen: Was sind die Auslöser für dieses Verhalten?

Mädchen Ratgeber

Die Medizin hat noch nicht die passende Schublade für diese Störung gefunden

In der Medizin ist man sich noch nicht einig, in welche Kategorie das NES einzuordnen ist: Man kann es als eine psychische Störung sehen oder auch als Sonderform der Binge Eating Disorder. Auch den Schlafstörungen ließe sich das Syndrom zuordnen. Dass es das NES gibt, dürfte jedem Mediziner bewusst sein, doch wird das Syndrom offiziell nicht als Krankheit anerkannt. In den nächsten Jahren wird es hoffentlich noch umfangreichere Forschungsergebnisse zu dieser Erkrankung geben, sodass den Betroffenen künftig besser geholfen werden kann.

Titelbild: ©iStock – AndreyPopov

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Michaela Lieber

Seit Maximilian am 12. März 2010 das Licht der Welt erblickte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Diese Erfahrungen teile ich gern. Als Redakteurin in meiner täglichen Arbeit, wie im privaten Umfeld.

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